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21.01.2019 | 5 min

Garagen-Gold

Investieren ins Schöne lohnt sich. Die Preise für Autoklassiker gehen derzeit durch die Decke. Die wahre Kunst wird es sein, jene Automobile zu identifizieren, deren Wert sich noch im Steigflug befindet.

Kunst, teure Weine, schöne Uhren. Es gibt viele Möglichkeiten, sein Geld auszugeben. Manche davon machen einfache Freude: Sie sind schön anzuschauen. Andere machen sogar doppelte Freude: Sie sind nicht nur schön anzuschauen, sondern steigen auch noch im Wert. Sie bringen also neben Freude auch noch Rendite.

In diese Kategorie gehören zweifelsfrei Oldtimer. Für ihre Wertentwicklung gibt es, ähnlich dem Wiener Aktienindex ATX, sogar einen eigenen Index: Der Oldtimerindex (OTX) erscheint einmal jährlich und wird von der in Stuttgart ansässigen Südwestbank herausgegeben – ausgerechnet von einer schwäbischen Bank, gelten doch die Schwaben als besonders sparsam.

Wenn also sogar die sparsamen Schwaben aus Stuttgart zu Investitionen in altes Blech raten, dann sorgt das manchmal auch weltweit für Aufmerksamkeit. So wurde die Meldung, dass die Finanzprofis der Südwestbank die Geldanlage in deutsche Oldtimer empfehlen, gar über den New Yorker Informationsdienst Bloomberg verbreitet.

Während der OTX im Jahr 2016 noch von Verlusten geprägt war, drehte er Anfang 2017 leicht ins Plus. Und dieser Aufwärtstrend hat sich fortgesetzt.

Knapp 70 Prozent aller Fahrzeuge in Deutschland, die älter als 30 Jahre sind, stammen von deutschen Herstellern. Sie gelten als wertstabilste Investition, was sich auch im Vergleich mit Aktien und deutschen Staatsanleihen zeigt: Während der deutsche Leitindex DAX seit 2005 um rund 204 Prozent wuchs und der Euro-Stoxx-50-Performance-Index um 74 Prozent anstieg, legte der OTX um knapp 303 Prozent zu.

Sagenhafte 683 Prozent hat der historische Porsche 911 laut OTX in den vergangenen 15 Jahren an Wert gewonnen.

Dennoch ist Vorsicht geboten. Für Anleger, die auf der Suche nach alternativen Investments sind, eignen sich Autoklassiker nur als Beimischung zum Gesamtvermögen. Empfehlenswert ist ein Anteil von nicht mehr als fünf bis zehn Prozent des Gesamtvermögens, denn es müssen jährlich rund vier Prozent Nebenkosten einkalkuliert werden. Dazu gehören Steuern, Versicherung, Garagenmiete, Wartung oder Reparaturen, die den Geldbeutel zusätzlich belasten.

Unumgänglich ist für Interessenten immer der Gang zu einem anerkannten Oldtimergutachter.

Bewertungsparameter wie der Allgemeinzustand, die absolute Originalität, eine lückenlose Historie oder die Seltenheit des Fahrzeuges spielen bei der Bewertung ebenso eine Rolle wie der aktuelle Marktwert vergleichbarer Modelle. Bewertet werden die Fahrzeuge nach Noten von eins bis fünf. Ein Fahrzeug mit der Note eins weist zum Beispiel einen optischen und technischen Zustand auf, der wie neu oder sogar besser ist. Da die hohe Nachfrage nach alten Autos in den vergangenen Jahren das Preisniveau bei den beliebten Klassikern insgesamt empfindlich nach oben trieb, sind inzwischen kaum noch wirklich gute Autos zum Schnäppchenpreis zu finden. Grundsätzlich raten Experten beim Kauf eines Old- oder Youngtimers ohnehin dazu, lieber etwas mehr auszugeben, um dafür ein Fahrzeug mit durchgängiger Wartungs- und Pflegehistorie zu bekommen. Denn das reduziert in der Regel die Folgekosten.

Bleibt nur noch die Frage, welches Auto in den nächsten Jahren zum Garagen-Gold reifen wird

Die üblichen Verdächtigen wie Porsche 911 oder Mercedes SL sowie die edlen italienischen Klassiker von Alfa Romeo bis Ferrari sind ja in höhere Sphären entschwebt. Kenner sprechen hier schon von einer „Oldie-Blase“, die bei steigendem Zinsniveau durchaus platzen könnte. Ob sich ein Porsche 911 aus den Achtzigern, welcher bereits über 70.000 Euro kostet, wertmäßig noch steigern wird, ist fraglich. Die wahre Kunst wird es sein, jene Automobile zu identifizieren, deren Wert sich noch im Steigflug befindet. Hier lohnt sich der Blick in einschlägige Fachmagazine oder das Gespräch mit Szene-Kennern, vor allem, wenn es auch darum geht, die Liquidierbarkeit eines Oldtimers abzuchecken. Nicht alle Modelle lassen sich ohne Mühe wieder zu Geld machen. Für viele Fahrzeuge gibt es nur eine Handvoll potenzieller Käufer.

Auch der Griff zu einem gepflegten Youngtimer kann durchaus lohnenswert sein – hier bieten sich vor allem sportliche Modelle mit geringer Stückzahl an, die schon zu Produktionsbeginn heiß gefragt waren. Der BMW Z1 oder ein schöner Porsche 944 mit geringer Laufleistung seien hier ebenso als Beispiele genannt wie ein gepflegter Audi Quattro oder ein unverbastelter Lancia Delta Integrale.

Die Veranlagung in Oldtimer kann sich rentieren.

Doch Obacht – neben viel Fachkenntnis, der perfekten Modellwahl zum richtigen Zeitpunkt und einer gehörigen Prise Glück braucht es optimalerweise auch ein Quentchen Benzin im Blut des Investors. Dann wirft die automobile Veranlagung zusätzlich auch noch eine nicht zu unterschätzende, wenngleich auch nicht messbare Dividende ab – nämlich eine gehörige Dosis Fahrfreude.