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05.04.2021 | 4 min

Flügel der Zukunft: Die neue FACC-Strategie

Globale Megatrends werden die Luftfahrtindustrie und unsere Gesellschaft nachhaltig verändern.

Die Mobilität der Zukunft liegt in der Luft. Die Pandemie wird diese Entwicklung nicht aufhalten. Die globalen Trends bieten dabei ideale Voraussetzungen für die Leichtbau-Innovationen von FACC. Vier Megatrends wirken dabei auf die Luftfahrtindustrie und beeinflussen damit direkt das Kerngeschäft des Konzerns: Die Weltbevölkerung wird bis 2050 um 25 Prozent wachsen, gleichzeitig sind 80 Prozent der Weltbevölkerung noch nie geflogen. Die Urbanisierung schreitet zügig voran: 2050 werden 68 Prozent der Bevölkerung in Megastädten mit über 10 Millionen Einwohnern leben. Neue Mobilitätskonzepte sind hier notwendig. Der Klimawandel bleibt ein prägendes Thema und die Forderungen nach grünen Technologien und umfassende Umweltverantwortung werden für die Luftfahrtindustrie noch wichtiger. Neue Märkte werden zudem durch die weitere Globalisierung und Digitalisierung entstehen. Der Ausbau der Satellitenkommunikation und die damit verbundene Kommerzialisierung der Raumfahrt bieten ein hohes Marktpotential.

„Wir werden uns hier überall mit starken Produktlösungen und Innovationen einbringen und das Grundbedürfnis der Menschen nach Mobilität nachhaltig und leistbar decken“, zeigt FACC-CEO Robert Machtlinger die Weichenstellung für die Weiterentwicklung in diesem Jahrzehnt auf. „Innovative Leichtbaulösungen für die Aerospace-Industrie sind und bleiben dabei unser Kerngeschäft. Wir bauen unsere Kompetenz in der Leichtbautechnologie weiter aus, werden durch unser Engagement in neuen Segmenten unsere starke Marktposition erweitern und zusätzliches Wachstum erzielen. Wir sind Luftfahrt, wir können Luftfahrt und wir glauben an die Luftfahrt.“

Committed to the Sky

Die Aviation-Industrie ist und bleibt der Kernmarkt von FACC, der sich in dieser Dekade eine Ebene nach oben und unten erweitert. Drohnentechnologien werden den Luftraum unmittelbar über dem Boden für breite Mobilitätsanwendungen erschließen. Der Bedarf an neuen Lösungen für die urbane und interurbane Mobilität steigt. Logistik-, Such-, Rettungsdrohnen und elektrisch betriebene Lufttaxis sind eine Antwort darauf. Parallel geht durch die Privatisierung der Raumfahrt eine Verschmelzung von Aviation und Space vor sich, durch den steigenden Bedarf an Trägerraketen, Satelliten und Raumfahrtanwendungen ist der Weltraum ein signifikanter Wachstumsmarkt. „In beiden Ebenen ist unser Leichtbau-Knowhow stark nachgefragt und FACC wird ihr Geschäft auf diese beiden Bereiche erweitern. Mit unserem Wissensvorsprung können wir auch in beiden Marktsegmenten sehr gut punkten und unsere Expansion vorantreiben“, so Machtlinger.

2030 soll FACC zu den 50 größten globalen Aerospace-Konzernen gehören, aktuell liegt das Unternehmen unter den Top-100. Ein wichtiger Hebel wird dabei gerade für die Flugzeugbranche das Thema Nachhaltigkeit sein. „Nachhaltigkeit ist seit Jahren fix in unserer DNA verankert. Speziell im Umfeld der Klimaziele bietet sich die Chance, Luftfahrt neu zu denken: mit innovativen Technologien von FACC, die Fliegen umweltfreundlicher, leiser und angenehmer für die Passagiere machen“, zeigt Robert Machtlinger die Ziele des Unternehmens auf. Die Nachhaltigkeitsthemen sind hier breit gestreut und reichen von einer gänzlich neu gedachten Flugzeugkabine hergestellt aus nachwachsenden Rohstoffen bis hin zu intelligenten Leichtbaustrukturen, die aus 100 Prozent recyclingfähigen Materialien und in kurzen, energiesparenden Prozessen hergestellt werden. „Basis für die Zielerreichung sind unsere Mitarbeiter. Leidenschaft und Können zeichnen sie ebenso aus wie Initiative und Verantwortung. Mit klaren Werten und einem starken Team sind wir als ein agiles Unternehmen der beste Partner unserer Kunden!“

Evolution – Transformation – Diversifikation

Mit einem Drei-Phasen-Modell will FACC sukzessive an Marktstärke zulegen: Phase 1 = Evolution stellt Performance in den Fokus. Als Best-in-Class-Performer wird FACC ihre Marktanteile in den bestehenden Kernsegmenten erhöhen und gleichzeitig Innovationen vorantreiben, um die strategischen Ziele der Kunden nachhaltig zu unterstützen. In der Phase 2 = Transformation will das Unternehmen mit neuen Technologien bestehende Komponenten substituieren und damit bestehende Flugzeugmuster unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit verbessern. Zusätzlich generiert FACC durch den Eintritt in neue Märkte neues Wachstum und erhöht ihre Marktpräsenz. In der Phase 3 = Diversifikation zielt FACC darauf ab, mit gänzlich neuen Technologien bestehende Märkte disruptiv zu verändern.

Gleichzeitig strebt das Unternehmen basierend auf ihrer Leichtbaukompetenz die nachhaltige Expansion in neue Märkte an. „Unser Know-how in der Leichtbautechnologie sind starke Wettbewerbsvorteile. Bei der Ausweitung unseres Portfolios richten wir den Blick nach oben und nach unten und werden uns auch in den hochattraktiven neuen Marktsegmenten ‚Urban Air Mobility‘ und ‚Space‘ einbringen“, skizziert Robert Machtlinger die weitere strategische Vorgehensweise des Konzerns. „Wir haben als eines der ersten Unternehmen in unserer Branche auf die aktuellen Veränderungen umfassend reagiert und uns angepasst. Die Einschnitte waren hart, aber notwendig. Was andere noch vor sich haben, haben wir hinter uns. Wir sind aus allen Krisen bisher gestärkt hervorgegangen und werden das auch dieses Mal tun. Mit der neuen Strategie haben wir ein klares Ziel und richten den Blick nach vorne. Unser Kurs ist klar: die Chancen, die vor uns liegen, wahrnehmen und das Unternehmen zurück auf den Wachstumskurs führen.“

Wing of Tomorrow

Gemeinsam mit dem europäischen Flugzeughersteller Airbus verfolgt FACC das Programm „Wing of Tomorrow“. Das zentrale Ziel: schon heute Flügeltechnologien von morgen zu entwickeln und serienreif zu machen. Nun wurde mit der Entwicklung einer innovativen Landeklappe ein Teilprojekt erfolgreich abgeschlossen.

FACC arbeitet dabei an der Entwicklung innovativer Fertigungsverfahren, die bei der Herstellung von drei wesentlichen Tragflächenkomponenten zum Einsatz kommen: Flügelkasten-Beplankung (Wing Box Lower Cover), Landeklappe (Flap) und Störklappen (Spoiler & Droop Panel). Ziel ist es, komplexe Komponenten schneller, einfacher und kostengünstiger zu produzieren. Das erste Teilprojekt – die Beplankung des Flügelkastens – konnte FACC bereits im Vorjahr erfolgreich abschließen. Vor kurzem wurde nun im zweiten Teilprojekt der Prototyp einer Landeklappe fertiggestellt. Dabei verwendete FACC das Resin Transfer Moulding-Verfahren, das schon früher bei Projekten zum Einsatz kam – jedoch noch nie in dieser Größenordnung und Komplexität.

Integralbauweise spart Zeit und Kosten

Bei der Entwicklung der fünf Meter langen „Multicell Flap“ stand das Ausloten der technischen Möglichkeiten im Vordergrund. „Airbus strebt bei der neuen Flügelgeneration einen hohen Integrationsgrad an, um nachfolgende Arbeitsschritte soweit es geht zu reduzieren und dementsprechend kostengünstiger zu werden“, sagt Patrick Petz, FACC Lead Program Engineer für Aerostructures Airbus. „Für uns bedeutet die Integralbauweise, dass wir uns den hohen Montage-Aufwand im Nachhinein ersparen und so einen hohen Reifegrad der Fertigungsprozesse sowie hohe Raten erreichen können.“

Abgesehen von der neuartigen Bauweise und der Verwendung von neuen Materialien – sogenannter Multiaxialgelege – war auch die Werkzeugauslegung bei der Fertigung eine hochinnovative Meisterleistung. Ein multifunktionales Team aus Forschung & Entwicklung, Werkzeugbau und Programm Management hat sich seit etwa einem Jahr der Aufgabe gestellt und konnte vor kurzem das erste Bauteil dem Kunden Airbus präsentieren. Robert Machtlinger: „Das ist ein echter Meilenstein in der Forschungskooperation mit Airbus. Wir haben gemeinsam ein völlig neues Landeklappensystem entwickelt. Die Flügelkomponente ist hochintegral – dank durchdachter Lösungen bei Material, Prozess und Bauweise können wir Airbus aber leistbaren Leichtbau bei hoher Serientauglichkeit bieten.“