Es braucht jetzt Mut, Zuversicht und den absoluten Willen zur Innovation!

Meinung von IV-Generalsekretär Mag. Christoph Neumayer.

Lesezeit: ca. 2 min

© IV/Michalski

Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV).

Was für ein zu Ende gehendes Jahr! Ein Jahr mit Veränderungen und kaum gekannten Herausforderungen– viele davon so weitreichend, wie es sich kaum jemand hätte vorstellen können. Noch immer – oder besser wieder – befindet sich Europa und damit auch Österreich im Epizentrum der gesundheitlichen wie ökonomischen Auswirkungen des Coronavirus. Wie hat ein Kommentator im Wochenmagazin „Profil“ launig gemeint: „Der Österreicher ist dem Virus ein guter Wirt“. Berechnungen der Industriellenvereinigung vor dem zweiten Lockdown belegen das wirtschaftliche Ausmaß: Neben den sonstigen Dienstleistungen (persönliche Dienstleistungen, Transport, Kultur, Sport) und Handel war die Industrie noch vor der Tourismuswirtschaft (Gastronomie, Beherbergung) der ökonomisch am stärksten getroffene Sektor.

Doch jeder Rückschlag zeigt auch die hellen Seiten. So hart die Corona-Krise viele Unternehmen und ihre Beschäftigten betroffen hat, so sehr wurden gerade in dieser schwierigen Zeit die Stärken der österreichischen Industrie sichtbar: Exzellentes Know-how, Innovationskraft, Flexibilität, Qualität und Kreativität. Damit sorgt der Produktionssektor und die mit ihm verbundenen Bereiche nicht nur für Versorgungssicherheit in außergewöhnlichen Zeiten – sie sind das Fundament für Wohlstand, Lebensqualität und soziale Absicherung in unserem Land. Umso wichtiger war und ist es daher, die Produktion in Österreich aufrechtzuhalten.

Chancen wahrnehmen!

Jede Krise wirkt eben als Katalysator und beschleunigt Entwicklungen. Sie verstärkt sowohl Stärken als auch Schwächen. Fahrlässig wäre es, jetzt nicht die Chancen wahr zu nehmen, um das Umfeld für Unternehmen und die Effizienz in der öffentlichen Verwaltung nachhaltig zu verbessern. Es gilt jetzt, an der Zukunft des Arbeits- und Wirtschaftsstandortes zu arbeiten – mit dem absoluten Willen zur Innovation.

Unser Anspruch muss sein, in wichtigen Zukunftsbereichen zu den Besten zu gehören – bei Innovation, Technologie und Digitalisierung, die durch Corona einen gewaltigen Schub erhalten hat. Auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten muss weiterhin auf Investitionen in Forschung, Technologie und Innovationen gesetzt werden, um Wettbewerbsfähigkeit und damit Arbeitsplätze und Wohlstand in Österreich zu sichern. Dass dies passiert, zeigt die beeindruckende Inanspruchnahme der Investitionsprämie – ein auch international beachtetes Instrument!

© FH OÖ

Gehen wir in die Offensive!

Im Mittelpunkt eines investitionsgetriebenen Aufschwungs muss eine umfassende Technologie- und Innovationsoffensive als Ticket in die Zukunft stehen. Dabei geht es um moderne Produktionstechnologien, Tech for Green, Digitalisierung in der gesamten Bandbreite sowie Life Sciences. Zudem kann die Industrie einen entscheidenden Beitrag für einen wirksamen Klimaschutz leisten. Denn: Deutlich verstärkte Anstrengungen in Innovation und Technologie verbessern sowohl die Wettbewerbssituation als auch die Klimabilanz. Entscheidend ist zudem, dass der Fokus auch auf weitere wichtige Zukunftstechnologien, wie Künstliche Intelligenz (KI), geschärft wird. Folgende Zahl sollte uns zu denken geben: Von den 100 am schnellsten wachsenden KI-Unternehmen kommen gerade einmal fünf (!) aus Europa.

Und lassen wir uns bitte nicht zu falschen Schlüssen hinreißen: Gerade die Corona-Pandemie hat deutlich gezeigt, wie wichtig der Zugang zu Märkten sowie faire Wettbewerbsbedingungen für Arbeitsplätze und Wohlstand in unserem Land sind. Protektionismus und Renationalisierung liefern die falschen Antworten. Gerade für ein kleines Land wie Österreich ist es essenziell, dass Unternehmen ungehindert weltweit aktiv sein können. Weltweiter Marktzugang durch EU-Wirtschaftsabkommen, eine stärkere WTO, die in der Lage ist auf Regeln wirklich zu achten oder mehr Fairness bei Investitionskontrollen sowie insgesamt faire Wettbewerbsbedingungen auf den globalen Märkten sind dafür der richtige Hebel.

Entscheidend ist, dass wir die richtigen Lehren aus der COVID-19-Krise ziehen. Der wirksamste Impfstoff für ein starkes Comeback der Wirtschaft besteht aus Mut, Zuversicht und dem absoluten Willen zu Innovation – auch in den Rahmenbedingungen und bei der öffentlichen Verwaltung.

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