Erstmals mehr als 100 Mrd. € beim DACH-E-Commerce

Laut HV-GF Rainer Will ist der Onlinehandel im Corona-Jahr 2020 in Österreich so stark gewachsen wie nie zuvor.

Lesezeit: ca. 2 min

© Stephan Doleschal

Ing. Mag. Rainer Will Geschäftsführer Handelsverband Österreich

Erstmals hat der E-Commerce allein mit Waren, die an Endverbraucher verkauft werden, in Deutschland, Österreich und der Schweiz 2020 ein konsolidiertes Volumen von mehr als 100 Mrd. Euro inkl. USt erreicht. Der deutschsprachige E-Commerce setzt damit mehr um als jeder andere Sprachraum in Europa.

Pro Kopf wurde in den drei Ländern im Mittel etwa für 1000 Euro im Jahr bestellt – deutlich mehr als beispielsweise in Frankreich (67 Mio. Einwohner und etwa 46,4 Mrd. Euro vergleichbares E-Commerce-Volumen), aber noch erheblich weniger als in England (82,6 Mrd. Euro Marktvolumen, ca. 1233 Euro pro Kopf und Jahr). Gemeinsam bringen es die deutschsprachigen Märkte auf ein Viertel des E-Commerce-Warenumsatzes in den USA.

Mehr als 8,5 Milliarden

Prozentual am Stärksten fiel das Wachstum 2020 in der Schweiz mit einem Sprung um 27,9 Prozent aus, gefolgt von Österreich (+17,4 Prozent) und Deutschland (+14,6 Prozent). Der Anteil des E-Commerce am Einzelhandel steigt in allen drei Märkten weiterhin konstant an. Die Branche in Österreich konnte im Vorjahr erstmals mehr als 8,5 Mrd. Euro im E-Commerce erwirtschaften. Der über mobile Endgeräte generierte Umsatz hat sich um mehr als 50 Prozent erhöht – mehr als in Deutschland, wo das Volumen „nur“ um 11,1 Prozent stieg.

Rainer Will, Geschäftsführer des österreichischen Handelsverbands: „Der Onlinehandel ist im Corona-Jahr 2020 in Österreich mit 17,4 Prozent so stark gewachsen wie nie zuvor. Damit hat die Pandemie den E-Commerce hierzulande noch weit stärker befeuert als in Deutschland. Mittlerweile shoppen alle Altersklassen im Internet und das wird auch nach Covid so bleiben. Der Trend zum regionalen Einkauf hält ebenfalls an – eine große Chance für die Webshops der DACH-Region, mit europäischer Qualität zu überzeugen.“

Diese beeindruckenden DACH-Zahlen zeigen, dass – bei allen regionalen Unterschieden im Detail – E-Commerce überall der Motor für den Handel ist. Noch gar nicht enthalten sind dabei zahlreiche online eingekaufte Dienstleistungen wie etwa Reisen oder Events; ebensowenig der viel größere E-Commerce zwischen Unternehmen. Die daraus resultierenden Chancen für die Wertschöpfung und das Wirtschaftswachstum gilt es vielfach noch zu heben.

Österreich-Besonderheiten

Die Österreicher zahlen am liebsten per E-Wallet (z.B. PayPal), Kreditkarte oder auf Rechnung (je rund ein Viertel der Befragten), während der Deutschen liebstes Zahlungsmittel mit Abstand die E-Wallet ist und die Schweizer die Kreditkarte bevorzugen. Doch nicht immer wird die gewünschte Bezahloption auch im Webshop angeboten, was zu Kaufabbrüchen führen kann: 12 Prozent der Österreicher haben schon einmal einen Kauf abgebrochen, weil die gewünschte Zahlungsart nicht verfügbar war, in Deutschland geben dies sogar 20 Prozent der Befragten an.

„Im Payment-Bereich haben insbesondere E-Wallets massiv von der Pandemie profitiert, wie die neue E-Commerce Studie von nets belegt“, bestätigt Will. Danach gefragt, warum Konsumenten abseits von Lieferzeit-, Retouren- und Zoll-Bedenken nicht im Ausland online shoppen, zeigen sich 27 Prozent der Österreicher loyal und entscheiden sich bewusst für heimische Online-Shops, um das eigene Land zu unterstützen.

„Aus diesem Grund, und auch weil vielen Konsumenten schlicht nicht bewusst ist, ob sie bei einem österreichischen oder internationalen Händler einkaufen, haben wir das Siegel ‚Österreichischer Händler‘ breitflächig etabliert“, erklärt der Geschäftsführer des Handelsverbandes. Es kennzeichnet heimische Händler als Maßnahme gegen Kaufkraftabfluss sowie für mehr Transparenz im eCommerce.

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