Ein scharfer Blick auf’s Geld

Schoellerbank sieht uneinheitliche Wege aus der Coronakrise – und einen baldigen Aufschwung.

Lesezeit: ca. 4 min

Vor einem Jahr hat sich die Schoellerbank AG in ihrem Kapitalmarktausblick erstmals mit den Auswirkungen von Covid-19 auseinandergesetzt, gegen Ende 2020 formulierte man die Situation folgendermaßen: „Die Coronakrise wird ziemlich sicher nicht in wenigen Wochen überwunden sein, sie wird uns aller Wahrscheinlichkeit aber auch nicht ein Jahr lang in dieser Intensität begleiten.“ In ihrem Kapitalmarktausblick für das zweite Quartal 2021 zieht die Privatbank nun eine erste Bilanz.

Auch wenn unser aller Leben noch weit von jeglicher Normalität entfernt ist: Die Finanzmärkte haben mit der Pandemie weitgehend abgeschlossen. Heute geht es auf dem Aktienmarkt vor allem um den erwarteten Aufschwung der Wirtschaft, der durch die fortschreitende Durchimpfung der Bevölkerung in Sicht ist. Dieser Aufschwung wird aber mit recht unterschiedlichen Geschwindigkeiten vorangehen. Nicht alle Sektoren und Regionen der Weltwirtschaft werden sich gleich rasch erholen.

Asien und USA führend

Am weitesten voran sind die asiatischen Schwellenmärkte. Diese Entwicklung hat eine gewisse Symmetrie, da diese Region voriges Jahr auch als erste Lockdowns verhängte. Die Schoellerbank Vermögensverwaltung setzt auf Asien und hat die Asien-Gewichtung in ihrem Aktienportfolio Ende 2020 noch einmal deutlich erhöht.

Weniger symmetrisch geht es aber in den westlichen Volkswirtschaften zu. Europa hat die Ansteckungsraten und Todeszahlen durch umsichtige Lockdowns noch bis vor einigen Monaten besser unter Kontrolle gehabt als die USA. Doch nun eilen die Vereinigten Staaten mit einer unerwartet schnellen Impfkampagne und einem gewaltigen Fiskalpaket Europa davon. Die US-Wirtschaft wird heuer mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit einen spektakulären Aufschwung erleben. Die europäische Wirtschaft wird sich auch erholen, jedoch langsamer.

Die starken Impulse aus den USA haben auch die europäischen Börsen beflügelt, und die Indizes auf dieser Seite des Atlantiks sind sogar stärker gestiegen als der S&P 500. Der Grund: Industrie- und Finanzwerte erleben eine Renaissance, und diese Branchen sind in Europa stärker vertreten. IT-Unternehmen, die sich vermehrt in den USA befinden, waren die Stars des Krisenjahres 2020. Doch in diesem Jahr treten sie auf der Stelle.

Die Nachzügler der letzten Jahre holen nun endlich auf, und diese Entwicklung dürfte sich verlängern. Die Aktienstrategie der Schoellerbank hat seit Jahresbeginn etwas über 10,1 Prozent zugelegt (Stand: 26. März 2021). Diese Performance wird einerseits mit einer deutlichen Übergewichtung von Asien und andererseits der qualitäts- und wertorientierten Aktienauswahl sowohl in den USA als auch in Europa. begründet

In ihrer Gesamtheit sieht die Privatbank keine Überbewertung der Aktienmärkte.

© PantherMedia/SergeyP

Aktienmärkte auf dem Prüfstand

Angesichts der starken Aktienmärkte stellt sich oft die Frage: Wie lange kann das so weitergehen? Eine Antwort auf diese sehr schwierige Frage kann ein Blick auf die Bewertung geben.

In ihrer Gesamtheit sieht die Privatbank keine Überbewertung der Aktienmärkte, einige Sektoren und Regionen haben – wie oben erwähnt – durchaus noch Aufholpotenzial. Natürlich gibt es auch Segmente des Marktes, die schon (deutlich) überbewertet sind.

Große Bärenmärkte wurden in der Vergangenheit dadurch ausgelöst, dass ein unerwarteter Schock auf einen bereits überbewerteten Markt traf. Ein unerwarteter Schock, den niemand vorhersehen kann, würde heute auf einen Aktienmarkt treffen, der im Großen und Ganzen rational bewertet ist. Vielleicht genauso wie ein gesunder Baum, der im Sturm zu schwanken beginnt, aber nicht umfällt.

Angst vor Inflation lässt Zinsen steigen

Der Anleihenmarkt beschäftigt sich intensiv mit einem Thema, das er viele Jahre lang ignoriert hat: Inflation. Erstmals wird es nach langer Zeit wieder vorstellbar, dass die Inflationsraten – und somit auch die Zinsen – langfristig steigen könnten. Durch die massiven Fiskalpakete, gepaart mit niedrigen Zinsen, ist die Gefahr einer steigenden Inflation gegeben. Langfristige Anleihen sind in diesem Quartal deutlich unter Druck geraten.

Hingegen macht eine aktive Fremdwährungsquote in diesem Umfeld Sinn. Also: Den Anteil des US-Dollars im Fremdwährungsportfolio anheben, weil die Zinsen hier schon wieder deutlich höher als im Euro sind, und da der Währungskurs bereits überverkauft scheint.

Nicht zuletzt aufgrund der Kommunikationen der Notenbanken ist damit zu rechnen, dass sowohl Zinsen als auch die Inflation in den USA weiter steigen werden als in Europa: Die EZB hat sehr klar den Zusammenhalt der Eurozone im Auge und ist bereit, Zinsanstiegen aktiv entgegenzutreten. Die US-Notenbank Fed hingegen betrachtet weitere Anstiege bei Zinsen und Inflation als gesunde Entwicklung nach der Krise.

Klar ist jedenfalls, dass Anleihen in den kommenden Jahren nur geringe Beiträge liefern werden können. Angesichts negativer Zinsen auf dem Geldmarkt ist eine Null- bis leicht positive Verzinsung bei Anleihen aber durchaus attraktiv. Der Blick auf die Realverzinsung wird in diesem Umfeld immer wichtiger – und Anleger können sich nach wie vor darauf verlassen, dass Anleihen das Portfolio in einer Krise stabilisieren. Das Jahr 2020 hat das wieder einmal unter Beweis gestellt.

Nachhaltig durch die Krise

Viele Banken haben ihre Auswahlprozess in den vergangenen Jahren immer stärker in Richtung Nachhaltigkeit weiterentwickelt. „Unabhängig davon, ob unsere Kunden dezidiert eine nachhaltige Veranlagung wünschen oder unsere breite Investment-Lösung bevorzugen: Wir achten bei all unseren Mandaten auf Nachhaltigkeitskriterien in den Bereichen Umwelt, Soziales und gute Firmenführung“, kommentiert das die Schoellerbank. „Unternehmen aus sehr kontroversen Geschäftsbereichen, die zum Beispiel Rüstungsgüter produzieren, Menschenrechte missachten, die Umwelt zerstören oder keine fairen Arbeitsbedingungen schaffen, fallen aus unserem Anlagespektrum.“

Die EU hat sich vorgenommen, einen einheitlichen Standard für ein nachhaltiges Finanzsystem zu schaffen. Der Kern dieser Regulierung ist, dass Unternehmen detaillierter über die Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeiten auf die Umwelt und die Gesellschaft berichten müssen. Dadurch können Asset-Manager und ihre Kunden besser einschätzen, wie nachhaltig eine Investition ist.

Für Anleger ist das eine gute Nachricht: Studien zeigen, dass Unternehmen, die auf Umweltschutz und das soziale Gefüge achten, langfristig profitabler und krisenfester sind. Dabei ist es unerheblich, wie der kausale Zusammenhang ist: ob nachhaltige Unternehmen profitabler sind oder profitable Unternehmen eher bereit sind, auf Nachhaltigkeit zu achten.

Unterm Strich

In der Schoellerbank Vermögensverwaltung hält man die übergewichtete Aktienquote weiterhin für richtig und setzt auf eine Übergewichtung in Europa und Asien, während man in den USA untergewichtet positioniert ist. Aktien sind im Vergleich zu Anleihen immer noch die deutlich attraktivere Assetklasse. Der Anlagedruck dürfte auch weiterhin für Zuflüsse in die Aktienmärkte sorgen.

Bei Staatsanleihen werden vorwiegend inflationsgeschützte Papiere empfohlen, denen selektiv Nominalanleihen beigemischt werden. Bei Unternehmensanleihen wird auf solide Bonitäten geachtet, da krisenbedingt in Zukunft mit erhöhten Ausfallsraten bei schlechten Schuldnern zu rechnen ist. Eine aktive Fremdwährungsbeimischung ist ebenfalls eine Möglichkeit, den Niedrigzinsen zu begegnen.

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