Eigenkapital als Impfstoff gegen die Krise

Eine aktuelle Analyse der Eigenkapitalsituation bei den (west-)europäischen Unternehmen

Lesezeit: ca. 2 min

© Creditreform

Gerhard M. Weinhofer Geschäftsführer von Creditreform und TL-Stimme der Gläubiger.

Creditreform hat im Rahmen seiner traditionellen Analyse der Unternehmensinsolvenzen in Europa auch die Eigenkapitalsituation der westeuropäischen Unternehmen untersucht. Ein Grund für den massiven Rückgang an Insolvenzen auf das niedrigste Niveau seit 30 Jahren ist die solide Ausstattung mit Eigenkapital.

Das Ergebnis der Eigenkapital-Analyse anhand der Jahresabschlüsse aus 2019 von 3,16 Mio. Unternehmen ist erfreulich: Im Vorkrisenjahr entwickelten sich die Eigenkapitalquoten der westeuropäischen Unternehmen noch einmal positiv. Der Anteil der Unternehmen, die eine Eigenkapitalquote von mehr als 50 Prozent aufwiesen, erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr von 45,6 auf 46,5 Prozent und gleichzeitig nahm der Anteil der Unternehmen mit einer niedrigen Eigenkapitalquote von unter 10 Prozent von 22,4 auf 21,9 Prozent weiter ab. Noch deutlicher wird die Verbesserung in der längerfristigen Betrachtungsweise seit 2012. In dieser Zeitspanne beträgt der Rückgang 3,1 Prozentpunkte. Damit dürfte die Mehrzahl der westeuropäischen Unternehmen gefestigt in die Corona-Krise gegangen sein. Allerdings werden die Eigenkapitalquoten im Zuge des Wirtschaftseinbruchs im Jahresverlauf 2020 erheblich unter Druck geraten sein.

Eigenkapitalquoten in Westeuropa

Angaben in Prozent; Quelle: Creditreform

Hohes Eigenkapital im Dienstleistungsgewerbe und in der Industrie

Beim Blick in die Wirtschaftsbereiche bestätigt sich die positive Entwicklung der Eigenkapitalsituation. Im verarbeitenden Gewerbe verfügten 2019 laut den Bilanzangaben 40,5 Prozent der Unternehmen über eine hohe Eigenkapitalquote von über 50 Prozent (Vorjahr: 39,2 Prozent). Als eigenkapitalschwach war jedes fünfte Unternehmen anzusehen (20,1 Prozent).

Eigenkapitalquoten bei westeuropäischen Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe

Angaben in Prozent; Quelle: Creditreform Datenbank und eigene Berechnungen.

Nicht ganz diese hohen Werte erreichte das Baugewerbe. Gleichwohl wiesen 37,7 Prozent der untersuchten Unternehmen 2019 eine Eigenkapitalquote von mehr als 50 Prozent auf. Gegenüber dem Vorjahr hat dieser Anteil nochmals zugelegt. Den Unternehmen ist es offenbar nochmals gelungen, Eigenkapital aufzubauen. Weniger als ein Viertel der Unternehmen (23,8 Prozent) besaß 2019 eine Eigenkapitalquote von unter 10 Prozent. Vier Jahre früher lag dieser Anteil deutlich höher bei 27,5 Prozent.

Eigenkapitalquoten bei westeuropäischen Unternehmen im Baugewerbe

Angaben in Prozent; Quelle: Creditreform Datenbank und eigene Berechnungen.

Im Handel nahm der Anteil eigenkapitalschwacher Unternehmen (Eigenkapitalquote unter 10 Prozent) nochmals ab (von 26,3 auf 25,5 Prozent). Gut ein Drittel der Unternehmen aus dem Handel (35,8 Prozent) waren eigenkapitalstark. Bei diesen Unternehmen lag die Quote über der 50-Prozent-Marke.

Eigenkapitalquoten bei westeuropäischen Unternehmen im Handel (inkl. Horeca)

Angaben in Prozent; Quelle: Creditreform Datenbank und eigene Berechnungen.

Bei den bilanzierenden Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor war der Anteil eigenkapitalstarker Unternehmen 2019 am höchsten (50,8 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Anteil weiter erhöht. 21,0 Prozent der Dienstleister mussten mit einer Eigenkapitalquote von unter 10 Prozent zurechtkommen. Entsprechend waren diese Unternehmen überwiegend fremdfinanziert. Seit 2015 hat sich der Anteil dieser Unternehmen um gut zwei Prozentpunkte verringert.

Eigenkapitalquoten bei westeuropäischen Unternehmen im Dienstleistungsgewerbe

Angaben in Prozent; Quelle: Creditreform Datenbank und eigene Berechnungen.

Steuerliche Gleichstellung des Eigenkapitals mit Fremdkapital

Der jüngste Vorschlag von Finanzminister Blümel, Eigenkapital mit Fremdkapital steuerlich gleichzustellen, ist sehr zu begrüßen und auch notwendig, das während der Pandemie unter Druck geratene und teilweise aufgezehrte Eigenkapital wieder zu erhöhen. Kapitalmangel ist schließlich die Insolvenzursache Nummer Eins. Eine solide Eigenkapitalbasis ist die beste Insolvenzprophylaxe für Unternehmen in Krisenzeiten. Liquiditätsengpässe und -probleme lassen sich damit besser überbrücken. Mehr denn je gilt: Je höher die Eigenkapitalquote, umso stabiler ist ein Unternehmen aufgestellt. Doch dabei sollte es alleine nicht bleiben, um die Unternehmen für die nun anbrechende Zeit nach der Krise fit zu machen. Die Forderungen der WKO nach Einführung eines Beteiligungsfreibetrages von mindestens 100.000 Euro, die Senkung der Körperschaftssteuer auf 21 Prozent und Verbesserungen beim Gewinnfreibetrag sind ebenfalls zielführend und aus Sicht der Unternehmen zu unterstützen. Zudem sollten langfristige Investitionen in Unternehmen über eine KESt-Freistellung – abhängig von der Behaltefrist – begünstigt werden.

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