Die Zukunft der Immobilienbranche ist digital

Digitale Wertschöpfungsketten steigern den Immobilienwert sowohl ökonomisch als auch nachhaltig-ökologisch.

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© Wolfgang Zlodej

Hans-Peter Weiss, CEO der ARE Austrian Real Estate.

Die Corona Krise hat einen Digitalisierungsschub ausgelöst, der gepaart mit dem Trend zum Homeoffice und New Ways of Working, die Ansprüche an Wohnen und Arbeiten gänzlich verändert. Was das im Konkreten für die Immobilienbranche bedeutet, haben Magenta Telekom, ARE Austrian Real Estate GmbH, JP Immobilien und puck immobilien app services in einer Studie mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut Triple M erhoben.

Somit sollen neue, richtungsweisende Trends für Entscheider und Entwickler in der Immobilienbranche abgeleitet werden. In den vergangenen Jahren war die Digitalisierung auch im Immobilienbereich eines der größten Zukunftsthemen. Für zwei Drittel der befragten Unternehmen stellt aber vor allem die weltweite Corona-Pandemie jetzt den maßgeblichen Digitalisierungstreiber dar.

Hans-Peter Weiss mit BIG-COO Wolfgang Gleissner.

© Wolfgang Zlodej

Vertrauen in die Digitalisierung

Vor der Corona-Krise galt Österreich als Präsenzgesellschaft was den Arbeitsplatz betrifft. Seit Beginn der Epidemie haben viele Unternehmen auf Homeoffice umgestellt und so gibt mittlerweile auch jeder zweite (51 Prozent) an, die Möglichkeit auf Homeoffice zu haben und ein knappes Drittel (28 Prozent) davon hat bereits die Möglichkeit mobil zu arbeiten. Das spiegelt sich auch in den Nutzungsdaten im Magenta Netz seit dem 2. Lockdown wider. Hier wird ein neuer Rekord in der Datennutzung verzeichnet: Sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunk wurden neue All-Time-Highs bei der Nutzung von Datenservices und Zuwächse von rund 20 Prozent gegenüber den Oktoberwochen vor dem Lockdown gesehen.

Zum Zeitpunkt des ersten Lockdowns sahen die Zahlen hier noch anders aus. Aus einer Umfrage zum digitalen Arbeitsplatz, die Magenta Telekom im ersten Lockdown durchgeführt hat, ging hervor, dass massiver Aufholbedarf bei digitalen Tools bestand. Im Laufe des Sommers hat sich dies zum Positiven entwickelt: Sharing-, Chat-, Arbeitszeit-Tools sind nun durchgehend bekannt und werden auch genutzt, bei Community-, Planning-, Collaboration Tools besteht nach wie vor Aufholbedarf.

Hans-Peter Weiss und der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter „an den Geräten“.

© Christian Viehweider

Neuer Standard in der Arbeitswelt

Diese Entwicklungen haben zur Folge, dass das Vertrauen der Unternehmer in die Mitarbeiter gestiegen aber auch die Angst vor digitalen Lösungen ist in den Hintergrund gerückt ist. Vertrauen ist auch auf Seiten der Arbeitnehmer gestiegen. Drei Viertel der Befragten geben an, dass die Unterstützung der Unternehmensführung zur Nutzung digitaler Lösungen seit Beginn der Corona Krise gegeben ist. Zudem bestehen bei zwei Drittel der Befragten die notwendigen Kompetenzen im Unternehmen zur Digitalisierung, was sich in der Nutzung von Sharing- sowie Kommunikationstools widerspiegelt.

Aus der zunehmenden Flexibilität, die die Digitalisierung der Arbeit mit sich bringt, gehen viele Vorteile hervor, die die Erwartungen an Arbeitgeber in Zukunft verändern und steigern. Mehr als ein Drittel der Büro-Mitarbeitenden wünscht sich bereits heute den vernetzten Arbeitsplatz als Service. Damit ist gemeint, dass der Arbeitgeber alle notwendigen Services als auch Devices und Infrastruktur zur Verfügung stellt, um die Arbeit im Büro, im Homeoffice aber auch im Mobileoffice von unterwegs zu ermöglichen. Das bringt jedoch gesteigerte Anforderungen an den Arbeitsplatz mit sich. Dazu zählen Public WLAN im gesamten Gebäude, in Tiefgaragen, Außenflächen, virtuelle Meeting-Räume, Buchungs- und Zutrittssysteme sowie Sharing und Kommunikationstools. Laptop, Smartphones, Internetzugang und Softwaretools werden ebenso erwartet. Zudem werden mittelfristig E-Mobility Lösungen wie E-Ladesäulen, eCar/bike Sharing in den Arbeitsstätten gewünscht. Die übrigen zwei Drittel erwarten sich diese Entwicklungen in den nächsten drei bis fünf Jahren. Für jeden zweiten Befragten (51 Prozent) erleichtert ein vernetzter digitaler Arbeitsplatz die Arbeit. Das, zur Verfügung stellen dessen, wird zukünftig von Arbeitnehmern auch erwartet.

Um den neuen Ansprüchen an den Arbeitsplatz sowie neuen Büro-Konzepten, die sich jetzt entwickeln werden, gerecht zu werden, ist Konnektivität immer und überall Voraussetzung. „Unsere Rolle als Digitalisierungspartner der Immobilienbranche wird noch tragender, genauso wie unser Angebot an innovativen Konzepten für die Digitalisierung zuhause wie im Office“, erklärt Magenta-CCO Maria Zesch. „Der Zugang zu einer hohen Bandbreite im gesamten Gebäude wird immer wichtiger und das sollte bereits im Rahmen der Immobilienentwicklung auch für neue Büroflächen-Konzepte berücksichtigt werden. Denn die Digitalisierung hat durch Corona in unsere Arbeitswelt Einzug gehalten und gestaltet somit auch die Planung der Büro- sowie der Wohngebäude in Zukunft mit.“

BIG-Niedrigstenergiegebäude „Ilse Wallentin“ für die Wiener BOKU.

© Hannes Buchinger

Neue Modelle entscheiden über Attraktivität des Arbeitsgebers

Die Covid-19-Krise hat den Digitalisierungstrend bei Büroimmobilien massiv beschleunigt. Vor allem die Bedeutung und das Nutzungsverhalten von Büroimmobilien hat sich durch die aktuelle Situation rasant verändert. Homeoffice wird dem traditionellen Büroraum jedoch nicht den Rang ablaufen. Das belegt die vorliegen Studie, die zeigt, dass durch Hybrid-Modelle reduzierte Büroflächen auf erhöhten Raumbedarf einzelner Nutzer treffen. Das wiederum verstärkt den Trend hin zu mehr Flexibilität was die Grundrisse von Bürogebäuden betrifft.

Eine zeitgemäße digitale Grundausstattung gilt inzwischen als selbstverständlich. Rund 50 Prozent der Studienteilnehmer geben an, dass Büroimmobilien bereits einen hohen Digitalisierungsgrad erreicht haben. Das ist inzwischen auch eine Imagekomponente für Unternehmen, denn nur wer seinen Mitarbeiter eine top ausgestattete Arbeitsumgebung und Infrastruktur bieten kann, hat eine Chance im Kampf um Talente. 85 Prozent der befragten Unternehmen sehen dahingehend einen Vorteil, als moderner Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. Mehr als ein Drittel der Befragten (37 Prozent) geben an, dass Digitalisierung eine Investition in die Zukunft der Immobilie sei, aber auch Nachhaltigkeit (35 Prozent) und Wertsteigerung (19 Prozent) spielen eine Rolle.

„Unsere hohen Nachhaltigkeitsstandards bei Immobilien werden durch digitale Lösungen effizient unterstützt“, erklärt Hans-Peter Weiss, CEO der ARE Austrian Real Estate. „Der kluge Einsatz von Steuerungs- und Kommunikationstechnologien dient in der Praxis zum Beispiel dazu den Energieverbrauch zu steuern und die Qualität für die Nutzer zu erhöhen. Die vorliegende Studie bestätigt, dass dieser Mehrwert auch bei den Mietern ankommt.“

(v.l.n.r.) BOKU-Rektor Hubert Hasenauer, Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger, Wissenschaftsminister Heinz Faßmann und Hans-Peter Weiss.

© Daniel Hinterramskogler

Smart Living im Wohnbau

Auch im Residential-Bereich haben die Corona-Entwicklungen der vergangenen Monate Spuren hinterlassen. Aus den Ergebnissen der Befragung der Privatpersonen und Wohnungssuchenden geht hervor, dass diese durch die Zunahme an Homeoffice und durch das Social Distancing offen sind für ein digitales Gesamtpaket: Knapp 60 Prozent der befragten Wohnungsnutzer sind laut Studie an Services interessiert – wie einer digitalisierten Postbox, einem digitalen Brett oder der Steuerung der Alarmanlage. Vor allem diverse Sicherheitsaspekte wie Gegensprechanlagen, Zutritts- oder Schließsysteme spielen dabei eine große Rolle. Darüber hinaus können sich rund zwei Drittel der Studienteilnehmer die Kommunikation mit der Hausverwaltung via App vorstellen. Besonders interessant ist hierbei die effiziente Abwicklung von Service- und Schadensmeldungen, das Dokumentenmanagement oder der Informationsfluss über notwendige Arbeiten am Gebäude.

Ein Thema, das in der Vergangenheit untrennbar mit der Digitalisierung verknüpft war und nach wie vor ist: der Schutz personenbezogener Daten. Laut Studie haben sowohl Unternehmen als auch Wohnungsnutzer (80 Prozent) Datenschutzbedenken, wenn es um die Digitalisierung der eigenen vier Wände geht. „Hier gilt es, den Wohnungsnutzern mit einer genauen und transparenten Datenpolicy die Bedenken zu nehmen“, empfiehlt Daniel Jelitzka, Geschäftsführer der J&P Immobilienmakler GmbH. „Als Immobilienentwickler und Anbieter der PropTech-App puck ist es uns ein großes Anliegen, die Daten der Bewohner ausreichend durch umfangreiche technische und organisatorische Sicherheitsmaßnahmen zu schützen.“

Für „Am Park“ in Floridsdorf errichtet die ARE Wohnungen auf drei Bauplätzen.

© ZOOM VP

Ein omnipräsentes Thema ist nach wie vor der Ressourcen- und Klimaschutz. Für 67 Prozent der befragten Unternehmen kann die Digitalisierung dabei einen maßgeblichen Beitrag leisten. So können durch neue, technische Lösungen beim Bau eines Gebäudes Ressourcen effizient genutzt werden. Für zwei Drittel der befragten Unternehmen (66 Prozent) schlägt die Digitalisierung darüber hinaus die Brücke zur Zukunftssicherheit von Immobilien in puncto Werterhalt. „Die Digitalisierung wird künftig neben Faktoren wie Lage, Wohnungsgrundrisse und Ausstattung ein wesentliches Asset sein, wenn es um die Bewertung einer Immobilie geht – auch für Investoren wird dies immer mehr zum entscheidenden Kriterium“, prophezeit Jelitzka. „Es gilt deswegen umso mehr, digitale Wertschöpfungsketten zu erkennen und Immobilien dadurch ökonomisch sowie nachhaltig-ökologisch aufzuwerten.“

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