Die reiche Ernte bleibt den anderen

Von den steigenden regionalen Einkäufen – von diversen Studien definitiv belegt – profitieren ausgerechnet die heimischen Landwirte am wenigsten.

Lesezeit: ca. 2 min

© Katrin Brunnmayr

Ja, in (Corona-)Zeiten wie diesen ist Regionalität immer mehr gefragt. Die heimischen Konsumenten achten erfreulicherweise deutlich intensiver als noch vor Jahren darauf, woher die Lebensmittel kommen, die sie kaufen. bauernladen ist diesbezüglich bekanntlich ein österreichweit relevanter Mitstreiter, und die AMA verwendet in ihrer neuesten Werbekampagne immerhin den Slogan „Ich schaue auf regionale Qualität.“

In der Bundeshauptstadt waren kürzlich die Jungbauern mit einem Foodtruck unterwegs, und in den Bundesländern machen Bauernfunktionäre und Bauern in Einkaufszentren Werbung für ihre Produkte. Mit großem Eifer und viel Aufwand versucht die Landwirtschaft also (auch) den Rückenwind zu nutzen, den die Covid-19-Krise für bäuerliche Erzeugnisse aus der Heimat anfachte. Regionalität ist in aller Munde und bietet tatsächlich große Chancen.

Üblicherweise (und auch historisch bedingt) gelten Landwirte als „Krisengewinner“, aber in Wirklichkeit haben sie den geringsten Profit von dieser Entwicklung. Die Bauern sorgen nämlich mit ihrem Engagement sehr wohl für schöne Zuwächse in vielen wirtschaftlichen Sektoren und tragen dort auch zur Sicherung von Arbeitsplätzen bei, für sie selbst aber fällt im Vergleich dazu nur wenig ab.

Für die Bauern bleiben nur die sprichwörtlichen Brösel.

© Lothar Waizenauer

Nur ein Siebtel für die Bauern

Dies hat kürzlich eine Untersuchung des Wirtschaftsforschungsinstituts aufgezeigt: Demnach bringt eine nur einprozentige Erhöhung der Nachfrage nach inländischen Agrarrohstoffen und Lebensmitteln für die gesamte österreichische Volkswirtschaft eine zusätzliche Wertschöpfung von 141 Millionen Euro, mit der rund 3100 Arbeitsplätze verbunden sind, wenn zum selben Prozentsatz dadurch Importe ersetzt werden. Auf die Bauern entfallen davon allerdings nur rund 20 Millionen Euro, rund ein Siebtel des Zugewinns, den der verstärkte Kauf heimischer Agrarprodukte und Lebensmittel bringt. Berücksichtigt man die Abschreibungen, sind es gar nur zehn Millionen Euro.

Den weitaus größten Teil des Kuchens, nämlich die restlichen sechs Siebtel, teilen sich die Lebensmittel Verarbeiter, die Metzger und Fleisch Verarbeiter, die Molkereien und die heimische Lebensmittelwirtschaft sowie auch der Lebensmittelhandel. Für die Bauern bleiben hingegen nur die sprichwörtlichen Brösel. Geht man davon aus, dass ein Haushalt monatlich rund 350 Euro für Lebensmittel ausgibt, sind ein Prozent nicht mehr als 3,50 Euro. Wird dieser zusätzliche Umsatz auf die tatsächliche Wertschöpfung heruntergerechnet, bleiben beim Bauern gerade einmal ein paar Cent hängen, bestätigt Studienautor Franz Sinabell vom Wifo.

Bei den Bauern gehe es nicht um zusätzliche Arbeitsplätze, sondern „nur“ „um Jobs, die nicht verloren gehen“.

© Lisa Pickl

Keine „neuen“ bäuerlichen Arbeitsplätze

Nicht einmal bei den bäuerlichen Direktvermarktern ist eindeutig, dass sie wirklich zu den großen Nutznießern des Trends Regionalität bei Lebensmitteln zählen. „Die tun sich vielleicht am leichtesten, den Trend zu nutzen, haben aber oft sehr hohe Kosten“, erklärt Sinabell. „Aber auch der Handel profitiert stark von ihnen, wenn er die Produkte von regionalen Kleinerzeugern in Regionalregalen verkauft.“

Was für die zusätzliche Wertschöpfung gilt, gilt auch für die 3100 Arbeitsplätze, die laut Wifo in Verbindung mit mehr Österreich-Bewusstsein beim Lebensmitteleinkauf stehen. „Diese Arbeitsplätze befinden sich vor allem dort, wo die zusätzliche Wertschöpfung ist, in der Lebensmittelverarbeitung, im Handel, sogar in der Immobilienwirtschaft“, berichtet Sinabell. Bei Bauern hingegen gehe es nicht um zusätzliche Arbeitsplätze, sondern „nur“ „um Jobs, die nicht verloren gehen“.

Sinabells Fazit klingt somit für die Landwirtschaft, die so große Erwartungen in die Regionalität setzt, ernüchternd: „Wenn wir die Nachfrage nach heimischen Gütern ausweiten, können wir den Strukturwandel nicht aufhalten, sondern allenfalls bremsen. In der Landwirtschaft kann man nicht viel gewinnen, man kann im Wesentlichen nur die Reduktion der Zahl der Arbeitskräfte verlangsamen.“

News

© PantherMedia/londondeposit

Das soll Gleichberechtigung sein?

Frauen arbeiten jedes 7. Jahr gratis.

Lesezeit: ca. 3 min

Clubhouse: Top-3-Chancen für Top Leader

Das soziale Netzwerk Clubhouse hat einen regelrechten Hype ausgelöst. Einladungen werden auf Ebay verkauft, Freunde und Bekannte um Einladungen gebeten.

Lesezeit: ca. 2 min

© PantherMedia/adamgregor

Zeit nehmen für die Mitarbeiter

Wie Top Leader Feedbackgespräche im Homeoffice führen.

Lesezeit: ca. 4 min

© Lexpress

Gibt’s heuer um 15 Prozent mehr Unternehmens-Insolvenzen?

Dank massiver staatlicher Interventionen ist die Zahl der Unternehmenspleiten bis dato sogar rückläufig.

Lesezeit: ca. 3 min

Hinter den Kulissen

Das Mobilfunknetz 5G spaltet die Meinung der Österreicher – und sie wollen auch nicht mehr Geld für neue Technologie ausgeben.

Lesezeit: ca. 4 min

© A1 Group

Das breite Band des Fortschritts

Die 5G-Versteigerung im Vorjahr brachte mehr als 200 Mio. € und soll schnelles Internet ermöglichen. Breitband hat aber nach wie vor Aufholbedarf …

Lesezeit: ca. 4 min

Corona-Unterstützung ausgeweitet

Die aktuellsten Top-News von unserem Co-Herausgeber und Europa-Experten Christoph Leitl.

Lesezeit: ca. 2 min

© Guardmine

Bodyguard, Entertainer & Babysitter in einem

Die digitale Security-Lösung Guardmine könnte schon bald einen Siegeszug antreten.

Lesezeit: ca. 2 min

TOP LEADER Premium-News, kostenlos abonnieren!

Registrieren