Die Erfolgsstory des Bezirks Rohrbach (OÖ)

Wie „Leben und Arbeiten in der Region“ funktionieren kann.

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© PantherMedia/frizio

Oberösterreich konnte im Jänner mit 7,6 Prozent die niedrigste Arbeitslosenrate aller Bundesländer verzeichnen und liegt damit mit 3,8 Prozentpunkten klar unter dem Bundesdurchschnitt von 11,4 Prozent. Der Bezirk Rohrbach hebt sich von diesen Oberösterreich-Zahlen mit einer Arbeitslosenrate von 4,9 Prozent im Jänner 2021 liegt die Arbeitslosigkeit noch einmal zusätzlich ab. Das ist zugleich der niedrigste Wert aller Bezirke in Oberösterreich.

Von den 1.239 arbeitssuchenden Menschen im Bezirk haben ca. 650 Personen eine Einstellzusage in den verschiedensten saisonabhängigen oder aufgrund von Corona geschlossenen Bereichen (Bau, Forstwirtschaft, Gärtnereien, Gastgewerbe, Hotellerie….). Weiters gibt es im Bezirk 362 sofort verfügbare offene Stellen, das sind um 38 mehr offene Stellen als Ende Jänner 2020. Zusätzlich sind 147 offene Stellen gemeldet, die in nächster Zeit zu besetzen sind. Die Situation am Lehrlingsmarkt (Ende Jänner): 13 lehrstellensuchenden Jugendlichen stehen 258 offene Lehrstellen gegenüber, 44 davon sind sofort verfügbar.

Im Coronajahr 2020 hat Oberösterreich mit 6,5 Prozent die niedrigste Jahresarbeitslosenrate aller Bundesländer aufgewiesen und Rohrbach mit 3,6 Prozent die niedrigste Arbeitslosigkeit von allen Bezirke in ganz Österreich.

In einem direkten Zusammenhang mit der niedrigen Arbeitslosigkeit steht die hohe Investitionstätigkeit der regionalen Unternehmen vor Ort.

Besuch bei Neuburger GmbH und Neuburger fleischlos GmbH in Ulrichsberg – v.l.: Geschäftsführer Hermann Neuburger mit Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner und Geschäftsführer Thomas Neuburger in der Pilzzucht des Unternehmens mit den selbst gezüchteten Kräuterseitlingen.

© Land OÖ/Ernst Grilnberger

Lebensmittelinnovationen aus Ulrichsberg

Das Unternehmen „Neuburger“ ist nicht nur bekannt für seinen Leberkäse, es ist auch stark in der Entwicklung und Produktion von fleischlosen Lebensmitteln aktiv. Das macht umfassende Investitionen notwendig: Der aktuell 60 Mitarbeiter beschäftigende Betrieb investiert 19 Millionen Euro die Produktion von fleischlosen Produkten.

Bei der Entwicklung neuer Lebensmittel arbeitet Neuburger intensiv mit dem Forschungszentrum FFoQSI (Feed and Food Quality Safety and Innovation) zusammen. Das Zentrum mit Standorten in Tulln und Wels hat sich dem Ziel verschrieben, Lebens- und Futtermittel und deren Produktion noch besser, sicherer und nachhaltiger zu machen. FFoQSI und Neuburger arbeiten gemeinsam daran, die Zuchtbedingungen und den Ernteertrag von Kräuterseitlingen zu optimieren.

ÖkoFEN-Geschäftsführer Stefan Ortner mit Klima-Landesrat Stefan Kaineder.

© Land OÖ/Sabrina Liedl

Weitere Unternehmen im Bezirk Rohrbach, die investieren oder investiert haben:

  • Loxone: 55 Mio. Euro werden in den Loxone-Campus, ein „Zentrum der Gebäudeautomation“ inklusive Hotel, investiert. Damit werden bis 2023 rund 300 neue Arbeitsplätze in Kollerschlag geschaffen.
  • Biohort: In St. Martin/Drautendorf investiert das Unternehmen, das Gerätehäuser aus Metall herstellt, 60 Mio. Euro.
  • Viscotec: Der Hersteller von Kunststoffrecyclingmaschinen investiert fünf bis sechs Mio. Euro in die dritte Ausbaustufe seines Werks in St. Martin.
  • Ökofen: Sieben Mio. Euro hat der Heizkesselerzeuger in seine Erweiterung in Oberkappel investiert.
  • Hellatex: Das Waldinger Unternehmen baut in St. Martin/Mkr. auf 8.000 m2 eine Produktion für hochwertige Spannbetttücher und schafft 20 bis 25 Arbeitsplätze.
  • Baufirma Brüder Resch: Investitionen in der Höhe von vier Mio. Euro in Ulrichsberg.
  • Dogsworld: Das Unternehmen in Neufelden stellt Hundeboxen für Autos her und erweitert ebenfalls.
  • Strasser Steine: Neben dem Neubau der Produktionshallen am Firmengelände in St. Martin ist auch die Errichtung einer Erlebniswelt namens Stoneum samt Gastronomie geplant. 23 Mio. Euro sollen insgesamt investiert werden, 40 bis 50 neue Arbeitsplätze sollen entstehen.
  • Dynacenter Neufelden: Die Tischlerei Agfalterer will ein Businesscenter für Unternehmen errichten.
  • e2 Elektro GmbH: Ausbau am Standort Aigen-Schlägl.
  • MWS Installationen: Errichtet einen neuen, erweiterten Standort in Altenfelden.

Die positive Entwicklung im Bezirk Rohrbach ist auch ein Musterbeispiel dafür, dass erfolgreiche Ansiedlungspolitik vor allem dann möglich ist, wenn Gemeinden gemeinsam an einem Strang ziehen. So haben in der INKOBA Donau-Ameisberg acht Gemeinden des Bezirks ihre Betriebsbaugebiete gemeinsam entwickelt und bis August des Vorjahres komplett verwertet. Nunmehr hat die Rolle der Flächenvermarktung im Bezirk Rohrbach die INKOBA Wirtschaftspark Oberes Mühlviertel übernommen. So wurde mit www.meinstandort-rohrbach.at eine Plattform geschaffen, auf der sich Unternehmer über freie Gewerbeimmobilien im Bezirk informieren können.

Um natürliche Lebensgrundlagen zu schützen und den Bodenverbrauch einzudämmen, sollen Gemeinden und Städte nicht mehr an den Rändern nach außen wachsen, sondern sich nach innen weiterentwickeln. Das soll durch qualitätsvolle Verdichtung, die Nutzung von Leerständen und Brachflächen sowie das Verfügbar-Machen von bereits gewidmetem Bauland erreicht werden. Ein wesentliches Ziel der künftigen Raumordnungspolitik in Oberösterreich ist daher die Stärkung der Ortszentren, durch die auch noch mehr Lebensqualität geschaffen werden soll.

Das Projekt „Nahversorgungszentrum Kleinzell“ (= „Zeller Kaufhaus“) zeigt, dass nachhaltige Projekte in den oberösterreichischen Ortzentren realisiert werden können. Durch den Abriss des alten Feuerwehrhauses kann ein neues Nahversorgungszentrum mitten im Ort entstehen. Darin werden neben einem Nahversorger auch eine Geschützte Werkstätte von Artegra und ein Cafe der Bäckerei Wolfmayr beheimatet sein. Menschen mit Beeinträchtigungen werden damit ins Ortszentrum geholt und in den Geschäften soll der Focus auf regionalen Produkten liegen.

Weitere interessante Projekte

Neues Ortszentrum St. Martin im Mühlkreis

Bank, Pfarrheim und Musikheim erhalten im Zentrum der Mühlviertler Gemeinde St. Martin im Mühlkreis ein neues gemeinsames Zuhause. Möglich gemacht wurde dieses Projekt durch den Abriss des alten Bankgebäudes. Die Veranstaltungsflächen und Gruppenräume sowie Tiefgarage und Liftanlage werden gemeinsam genützt.

Projekt „Am Kornbichl“ in Tragwein

Eine stillgelegte Werkstätte und ein ungenützter, jahrelang brachliegender Sportplatz erwiesen sich als Baulandreserve, die eine Nachverdichtung und vor allem eine wertvolle Aufwertung des Ortskerns in Tragwein erlaubten. So entsteht mitten im Ort ein Wohn- und Einkaufszentrum.

Nahversorgung in St. Agatha

Der Nah&Frisch-Lebensmittelmarkt wurde um Leerstandsflächen der ehemaligen Schlecker-Filale erweitert. Außerdem wurde ein Gebäudeteil aufgestockt sowie bestehende Wohnungen wurden erweitert. Neben dem Supermarkt sind eine Bankfiliale, eine Bäckerei, ein Friseursalon, eine Pizzeria und ein Planungsbüro in dem Gebäude eingemietet.

Devise „Ortszentrum statt grüne Wiese“

Auch in Raab (Bezirk Schärding) konnte durch die Nachnutzung eines benachbarten leerstehenden Gebäudes der Uni-Markt im Ortszentrum auf eine wettbewerbsfähige Größe erweitert werden. Neben dem modernisierten Lebensmittelmarkt sind bei diesem Projekt zusätzliche Parkplätze im Ortszentrum sowie zwei Wohnungen und Büroflächen entstanden. Dieses Nahversorger-Projekt war zugleich eine sinnvolle Alternative zu einem anderen Supermarkt-Projekt, bei dem ein Neubau am Ortsrand von Raab geplant gewesen wäre.

Leben und Arbeiten in der Region fördern

Trotz der erfreulichen Entwicklungen soll im Bezirk Rohrbach nicht auf die corona-bedingt schwer betroffenen Branchen vergessen werden. Man will „gemeinsam alles unternehmen“, um die Tourismusbranche, den stationären Non-Food-Handel, die Beförderungsunternehmen sowie viele Dienstleistungsbereiche (Eventveranstalter) in und nach der Krise bestmöglich zu unterstützen.

Generell ist die Attraktivität des Bezirks Rohrbach in den vergangenen Jahren sowohl für Unternehmen als auch für Arbeitnehmer deutlich gestiegen. So ist von 2010 bis 2018 die Zahl der Erwerbstätigen um 2,3 Prozent gestiegen und gleichzeitig die Zahl der Bezirksauspendler um fast 900 Personen bzw, um 7,5 Prozent gesunken. Damit ist die Auspendlerquote (der Erwerbstätigen) von 40 auf 37 Prozent gesunken. Dabei spielen die Big Player der Region, aber auch viele kleine und mittelständische Unternehmen eine bedeutende Rolle.

Weiterhin gilt es, entsprechend dem Motto „Leben und Arbeiten in der Region“, Leerstände in Ortsgebieten mit dezentralen Arbeitsplätzen zu füllen. Dadurch kann auch ein neues Infrastrukturangebot entstehen, denn dort, wo viele Menschen täglich arbeiten, wird auch zu Mittag gegessen, eingekauft etc. Das Mieten von bestehenden Gewerbeimmobilien muss sich für Unternehmen auszahlen, sodass nicht jeder den Wunsch verspürt, auf die grüne Wiese zu bauen. Nutzung muss attraktiver sein als Leerstand. Unbestritten ist auch der Bedarf nach großflächigem Breitbandausbau, der gerade für die Weiterentwicklung von Unternehmen unabdingbar ist.

Erfreulich ist, dass mit dem gelungenen Projekt des Bezirkshallenbades ein weiterer wichtiger Mosaikstein einer attraktiven Infrastruktur für die Bevölkerung gesetzt wird. Ein Kino steht als nächstes auf der Wunschliste …

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