Die Consulter sind die Krisenassistenten

Schon fast ein Fünftel der Unternehmensberater mußte pandemiebedingt bereits zu Betriebsschließungen beraten

Lesezeit: ca. 2 min

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Consulter wissen aufgrund der laufenden betriebswirtschaftlichen und strategischen Betreuung über die aktuelle Lage in den Unternehmen sehr genau Bescheid. Die Berufsgruppensprecherin Unternehmensberatung in der Fachgruppe UBIT der WKO-Wien, Claudia Strohmaier, hat daher ihre Branchenkollegen im Rahmen einer Umfrage um deren Einschätzung über die Situation bei ihren Kunden gebeten – die Ergebnisse sind durchaus alarmierend für die Gesamtwirtschaft. 

Demnach haben bereits 16 Prozent der Unternehmensberater während der Pandemie Unternehmen hinsichtlich einer dauerhaften Betriebsschließung beraten. Rechtzeitige Sanierungsmaßnahmen könnten laut Strohmaier ein Teil dieser drohenden Schließungen verhindern.

Es wird zu lange gewartet

„Aus Erfahrung wissen wir, dass etliche Unternehmen leider viel zu lang zuwarten, bevor sie Unterstützung in Anspruch nehmen. Ein Phänomen, das durch die Pandemie noch spürbar verstärkt wurde“, analysiert die selbständige Unternehmensberaterin.

Der Trend bei den Beratungen geht bereits verstärkt in Richtung Aufgeben, statt in Richtung Sanieren, wie aus der Umfrage zu entnehmen ist. Im Zuge der Pandemie wurden bereits 32 Prozent der Unternehmensberater in Überlegungen über Betriebsschließungen eingebunden.

Hilfe zur Selbsthilfe als Gewinn für die Gesamtwirtschaft

Auch für die ohnehin angespannte Situation am Arbeitsmarkt bedeuten die Ergebnisse nichts Gutes: Demnach haben 55 Prozent der Unternehmensberater von „ihren“ Firmen signalisiert bekommen, dass diese (weitere) Mitarbeiter kündigen wollen. Zugleich gaben 53 Prozent der Experten an, dass ihre Klienten aus finanziellen Gründen nur temporär Hilfe in Anspruch nehmen, wenn schon ihre Existenz auf dem Spiel steht.

„Die Ergebnisse der Umfrage zeigen für mich klar, dass Hilfe zur Selbsthilfe für die Unternehmen in Form von geförderter Unternehmensberatung durch die öffentliche Hand unter dem Strich ein Gewinn für die Gesamtwirtschaft wäre“, hofft Martin Puaschitz, Obmann der Wiener Fachgruppe für Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT). „Daher sollte dies verstärkt in die Überlegungen einbezogen werden.“ 

Konkrete Verbesserungsvorschläge

Im Rahmen der Befragung konnten die Unternehmensberater auch individuelle, und daher nicht repräsentative Verbesserungsvorschläge an die politischen Entscheidungsträger zum Umgang mit den Herausforderungen der Pandemie skizzieren. „Die aus unzähligen praktischen Erfahrungen abgeleiteten Antworten sind klarer Ausdruck der geballten Fachkompetenz der Wiener Unternehmensberater“, erklärt Strohmaier.

Bekrittelt wurde von den Teilnehmern beispielsweise, dass manche Unternehmen zwar starke Umsatzeinbußen verzeichnen, aber keine angemessenen Kompensationen bekämen, weil ihre Branchen nicht von behördlichen Schließungen betroffen sind. Dadurch seien diese zuweilen finanziell schlechter gestellt als geschlossene Betriebe.

Dazu passend plädierte ein anderer Umfrageteilnehmer dafür, dass politische Entscheidungsträger die eigene Berufsgruppe verstärkt als Berater in ihre Entscheidungen einbinden sollten. Das wäre gut für die Volkswirtschaft, denn Unternehmensberater hätten durch den permanenten und engen Kontakt mit kleinen und mittelgroßen Unternehmen extrem viel praktisches Fachwissen, das bereits auf dieser Ebene präventiv viel bewirken könnte.

Auf einen Blick

  • An der Umfrage über die wirtschaftliche Auswirkung der Coronakrise haben rund 270 Wiener Unternehmensberater teilgenommen.
  • 55 Prozent der Berater haben von Unternehmen signalisiert bekommen, dass diese (weitere) Mitarbeiter kündigen wollen.
  • 53 Prozent gaben an, dass ihre Klienten aus finanziellen Gründen nur temporär Hilfe in Anspruch nehmen, wenn ihre Existenz bereits auf dem Spiel steht.
  • 32 Prozent der Berater wurden in Überlegungen über Betriebsschließungen eingebunden, 16 Prozent haben ihre Kunden bereits konkret dazu beraten.

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