Der Virus lässt uns erstaunlich kalt

Nach mehr als einem Jahr Covid-19 rechnen vier Fünftel der Österreicher nicht mit großen Veränderungen des Berufsalltags.

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Philipp Ikrath, Senior Marktforscher bei e-dialog.

Trotz harten Lockdowns ist die Anzahl der Personen, die ihre Arbeit von zu Hause aus erledigen, gesunken. Gaben im April 2020 noch 46 Prozent der Berufstätigen an, überwiegend oder ausschließlich im Home Office zu arbeiten, sind es ein Jahr später nur mehr 36 Prozent.

„Unsere Online-Marktforschung erlaubt es uns, ad hoc Stimmungsbilder zu erhalten. Ebenso können wir damit aber auch Entwicklungen kurz-, mittel- und langfristig beobachten und analysieren“, erklärt Philipp Ikrath, Senior Marktforscher bei e-dialog. „Wir haben vor einem Jahr festgestellt, dass sich die meisten Berufstätigen schnell auf die neue Situation eingestellt haben. Heute wissen wir, dass sich die Menschen im vergangenen Jahr aber kaum an diese Situation gewöhnt haben. Homeoffice, das ist immer noch etwas Außergewöhnliches.“

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Keine Neubewertung der eigenen Situation

Auch nach einem Jahr finden noch sechs von zehn Befragten, dass sich ihr Berufsalltag stark vom Gewohnten unterscheidet. 2020 waren dies zwar noch sieben von zehn, von Normalität lässt sich aber dennoch noch lange nicht sprechen.

Auch in der Bewertung der größten Vor- und Nachteile hat sich im vergangenen Jahr kaum etwas geändert. Dass die Anreise ins Büro entfällt, bleibt der mit Abstand größte Vorteil (2020: 32 Prozent; 2021: 36 Prozent), der fehlende Kontakt zu Menschen der größte Nachteil (2020 und 2021: jeweils 38 Prozent). Hier zeigt sich, dass die Lage kaum neu bewertet wird.

Homeoffice hat offenbar keine Vorteile, die sich erst nach einer gewissen Gewöhnungsfrist als solche zeigen oder aber Nachteile, die erst mit der Zeit als solche ersichtlich werden. Unter dem Strich dürften die Vorteile aber überwiegen. 39 Prozent wünschen sich, nach dem Ende der Pandemie mehr von zu Hause aus arbeiten zu können. Jeweils 14 Prozent würden am liebsten komplett auf Homeoffice umstellen – oder vollständig darauf verzichten.

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Nach der Pandemie ist vor der Pandemie

Besonders interessant ist, dass 80 Prozent vermuten, dass sich ihr Berufsalltag nach Corona nicht wesentlich von jenem vor der Krise unterscheiden wird. Ikrath: „Wir wollten wissen, mit welchen Unterschieden die Befragten rechnen, wenn sie ihren gewohnten Berufsalltag vor mit dem angenommenen nach der Pandemie vergleichen.“

20 Prozent gehen davon aus, dass sich bei ihnen gar nichts ändern wird. 61 Prozent sind der Ansicht, dass für sie nur eine einzige der von uns abgefragten Änderungen schlagend werden wird. Am ehesten rechnet man noch damit, weniger Zeit im Büro zu verbringen – das nehmen 29 Prozent der Befragten an. 28 Prozent rechnen mit weniger Dienstreisen, 27 Prozent mit weniger persönlichen Terminen.

Im April 2020 sagten 22 Prozent der Heimarbeiter, im Homeoffice schneller voranzukommen als im Büro, ein Drittel klagt über Effizienzverlust. 2021 geben 32 Prozent der Befragten an, schneller voranzukommen und 29 Prozent, dass sie langsamer arbeiten als im Büro. Der Rest kann keinen Unterschied im eigenen Arbeitstempo sehen. Hier ist also in Summe eine Steigerung des Arbeitstempos zu beobachten – der Unterschied fällt aber verhältnismäßig gering aus.

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Stimmung leicht gesunken

Die Stimmung ist im vergangenen Jahr etwas schlechter geworden, sowohl was das Homeoffice, als auch was die allgemeine Befindlichkeit betrifft. Sagten 2020 noch 56 Prozent der Heimarbeiter, mit der Situation im Homeoffice sehr oder eher zufrieden zu sein, sind es 2021 60 Prozent. Etwas stärker gestiegen ist aber der Anteil derjenigen, die eher oder sehr unzufrieden sind: von 13 Prozent auf 21 Prozent, was in Summe zu einem leicht schlechteren Stimmungsbild führt. Die übrigen positionieren sich in der Mitte.

Mit zunehmendem Unbehagen wächst auch die Kritik an den Corona-Maßnahmen der Bundesregierung. Wurden diese 2020 noch von fast zwei Dritteln als angemessen bewertet, vertreten diese Meinung heute nur mehr 27 Prozent. 35 Prozent gehen die Maßnahmen hingegen nicht weit genug, während sie für 17 Prozent über das Ziel hinausschießen.

Quelle: e-dialog GmbH

Befragungszeitraum: April 2020 und April 2021

Stichprobengröße: n=500

Erhebungsmethode: Online mit Google Surveys 360

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