Der Rückspiegel, der durch Blechwände sieht

Normale Transporter in der Standard-Ausführung verblechter Kastenwagen sind normalerweise nach hinten „blind“. Das ändert sich jetzt. – Eine gute Nachricht für alle Besitzer von Firmen-Fuhrparks.

Lesezeit: ca. 4 min

© Ford Motor Company (Austria) GmbH

Sieht durch die Kastenwagen-Blechwand: Neuer „Smart Mirror“ von Ford.

Des Rätsels Lösung: Der „Rückspiegel“ ist ein hochauflösendes Display, ein eingebaute Heckkamera schickt ihren Videostream live in die Fahrerkabine.

© Ford Motor Company (Austria) GmbH

Die meisten Lieferwagen haben, verglichen mit normalen Autos, ein nicht unwesentliches Sicherheitsmanko: die nur sehr eingeschränkte Sicht nach hinten.

Der Grund: Eine massive Blechwand trennt beim Standard-Kastenwagen Fahrerkabine und Laderaum, die Hecktüren kommen ohne Fenster, vollverblecht. Ein konventioneller Auto-Rückspiegel würde hier nur ein schönes Bild der Blechwand im Hintergrund liefern und wäre bestenfalls als Schminkspiegel oder zum Zupfen der Augenbrauen zu gebrauchen.

Vermeidbares Sicherheitsrisiko und Parkschäden

Für den Blick nach hinten stehen dem Fahrer ausschließlich die Seitenspiegel zur Verfügung, was sich unmittelbar hinter dem Fahrzeug abspielt, sieht er nicht.

Das ist speziell beim Einparken im Stadtverkehr heikel: Ein Kind hinter der Stoßstange, querende Radfahrer oder E-Scooter-Piloten sind de facto „unsichtbar“. Von gelegentlich Parkschäden wegen mangelnder Sicht nach hinten einmal ganz abgesehen.
Aber auch auf Autobahnen und Landstraßen ist der fehlende Rückspiegel ein Problem: Ungeduldige Verkehrsteilnehmer, die sich sozusagen „auf Stoßstangendistanz“ hinter einen hängen, sind über die Außenspiegel kaum zu entdecken. Ähnliches gilt für Kreisverkehre, beim Fahrspurwechsel oder beim Abbiegen in Seitenstraßen.
Theoretisch könnte man gegen Aufpreis natürlich auch Kastenwagen mit Trennwand-Fenster, Heckscheiben und Rückspiegel bestellen. Sehr verbreitet ist diese Lösung aber nicht. Die Ursache: Der Wunsch, die geladene Ware über ein Schau-Fenster stolz der Öffentlichkeit zu präsentieren, ist üblicherweise überschaubar.

Smarte Rückspiegel für Ford Transit und Transit Custom


Bei Ford, mit über 25 Prozent Marktanteil derzeit Marktführer im Bereich „Leichte Nutzfahrzeuge“, hat man jetzt einen Ausweg aus dem Transporter-Dilemma gefunden: den smarten Rückspiegel. Was aussieht wie ein normaler Rückspiegel, ist in Wahrheit ein hochauflösendes Display mit Vollbildanzeige, das über eine verbaute Heckkamera auch durch Blechwände sehen kann. Verglichen mit einem normalen Auto-Rückspiegel bietet Fords neuer „Smart Mirror“ ein doppelt so großes Sichtfeld und eine automatische Helligkeitsregelung für die optimale Anzeige bei Tag und Nacht.

Ab sofort sind die mittleren und großen Transporter – Ford Transit Custom und Ford Transit – auch ab Werk mit Smart Mirror bestellbar (Ausstattungs-Option, Aufpreis). Auch ältere Ford Transit Custom Kastenwagen ab dem Baujahr 2012 und Ford Transit-Modelle ab 2014 lassen sich nachträglich mit dem Smart-Mirror-System ausstatten. Kostenpunkt: ab 574 € netto (exkl. USt.)

Neben vermeidbaren Unfällen und Fahrzeugschäden lohnt sich diese Investition unter Umständen noch aus einem anderen Grund: Man könnte mit seiner Fahrzeugversicherung auch über niedrigere Prämien verhandeln …

Online-Video zum Smarten Rückspiegel

Fords neues Smart-Mirror-System kann man inzwischen übrigens auf YouTube auch „in Action“ begutachten:

Das Sicherheitsproblem „schlechte Sicht nach hinten“ ist natürlich auch anderen Nutzfahrzeug-Herstellern nicht verborgen geblieben. Die Lösungen sind allerdings etwas unterschiedlich: Bisweilen ist das Display für die Heckkamera auch im Multimedia-System der Mittelkonsole untergebracht.

Optische Ähnlichkeiten zwischen einzelnen Nutzfahrzeugen und den jeweiligen Smart-Mirror-Systemen sind übrigens kein Zufall: Viele „Leichte Nutzfahrzeuge (LNF)“ werden konzernübergreifend entwickelt und produziert und unterscheiden sich im Wesentlichen nur durch den Kühlergrill, Designdetails und das Marken-Logo.

Citroen, Peugeot, Opel


Bei Citroen und Peugeot gibt es Smart-Mirror-Systeme zur Einparkhilfe als Sonderausstattung im Prinzip seit 2016. Die neue Konzernmarke Opel hat bei ihrem Vivaro so etwas natürlich auch.

Mercedes-Benz

Beim verblechten Mercedes-Benz Kastenwagen Vito nennt sich das Ganze „Digitaler Innenspiegel“ (Sonderausstattung) und ähnelt im Prinzip dem Ford-System.

Nissan und Renault


Besonders reichhaltig ist das Angebot an Modellen mit smartem Rückspiegel auf Basis „Rückfahrkamera“ bei Nissan: Beim Kastenwagen NV300 COMFORT und beim großen NV400 COMFORT ist die Heckkamera Teil des „Fahrer-Assistenz-Pakets Plus“ (540 bzw. 720 € netto).

Beim Kompakt-Van NV250 COMFORT gibt’s digitale Sicht nach hinten ebenfalls über ein erweitertes Fahrer-Assistenz-Paket (400 € netto).

Beim elektrischen e-NV200 ist diese Ausstattung ab der Version COMFORT serienmäßig. Detto beim Pickup Nissan NAVARA ab der Ausstattungsstufe N-Connecta (vier Kameras für 360° Rundumsicht!).

Dass man Ähnliches bei einigen Schwestermodellen der Konzernmarke Renault natürlich auch haben kann, wird einen nicht weiter verwundern.

Toyota


Bei Toyota ist ein smarter Rückspiegel für den kompakten Kastenwagen PROACE CITY ab der Ausstattungslinie Comfort unter dem Namen „Smart Active Vision“ erhältlich (Seiten- und Rückfahrkameras inklusive 5-Zoll-Display an Stelle des Innenrückspiegels). Smart Active Vision ist hier Teil eines großen Navigationspakets inklusive 8-Zoll-Multimedia-System. Aufpreis: 2.400 €.

© Ford Motor Company (Austria) GmbH

Ford Transit Custom. Ab Werk nun mit einem Smart Mirror bestellbar und bis zum Baujahr 2012 mit Smart Mirrors nachrüstbar.

© Ford Motor Company (Austria) GmbH

Ford Transit. Auch für den „großen Transit“ gibt es den Smart Mirror nun auf Wunsch ab Werk. Transit-Kastenwagen bis zum Baujahr 2014 sind auch noch nachträglich mit smarten Rückspiegeln ausrüstbar.

© Citroen

Citroen Jumpy Kastenwagen. Freie Sicht nach hinten auf Basis Rückfahrkamera, Sonderausstattung.

© Daimler

Mercedes-Benz Vito Kastenwagen. Hier nennt sich die Sonderausstattung Smart Mirror schlicht „Digitaler Innenspiegel“.

© Daimler

Digitaler Innenspiegel beim Mercedes-Benz Vito. Von der Anmutung her ähnlich wie Fords „Smart Mirror“.

© Nissan

Teil des „Fahrer-Assistenz-Pakets Plus“ bei Nissan Nutzfahrzeugen (hier NV300): eine Rückfahrkamera nebst Display in der Mittelkonsole.

© Nissan

Pickup Nissan NAVARA N-CONNECTA. Vier Kameras und ein AROUND VIEW MONITOR für 360° Rundumsicht.

© Opel

Opel Vivaro Kastenwagen. Auch hier ist eine Heckkamera nebst Display als Sonderausstattung erhältlich.

© Peugeot

Peugeot Expert Kastenwagen. Per Sonderaustattung jetzt auch mit einem Kamera-Auge am Heck zu haben.

© Toyota

Toyota PROACE CITY Comfort Kastenwagen. Der Smarte Rückspiegel heißt hier „Smart Active Vision“ und bezieht auch die Bilder von Seitenkameras an den Außenspiegeln (gegen den Toten Winkel) mit ein. Für 2.400 € Aufpreis im großen Navi-Paket enthalten.

Toyota PROACE CITY mit Navi-Paket. „Smart Active Vision“-Seitenkameras unter den Außenspiegeln.

© Toyota

5-Zoll-Farbdisplay statt eines konventionellen Innenspiegels im Toyota PROACE CITY Comfort mit Smart Active Vision.

© Toyota

Redaktion: Rainer Grünwald

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