„Cluster“ muss nicht negativ „besetzt“ sein

Österreichischer Clusterpreis geht an den Green Tech Cluster, Lebensmittel Cluster NÖ kümmert sich um regionale Lebensmittel von morgen.

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© Green Tech Cluster

Österreich verfügt über leistungsstarke Cluster-Netzwerke in technologischen und wirtschaftlichen Stärkefeldern, die durch Innovation und Zusammenarbeit die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, insbesondere KMU, stärken. Bei der erstmaligen Vergabe des österreichischen Clusterpreises wurden herausragende Leistungen in den Bereichen Startups, Forschung und Innovation, Digitalisierung sowie Fachkräfte bewertet.

„Im Green Tech Cluster kooperieren Startups und Unternehmen erfolgreich“, erklärt die Bundesministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort Margarete Schramböck. „Dieses wirtschaftliche Ökosystem wird damit immer mehr zu einem globalen Innovations-Hotspot.“ Der Green Tech Cluster wurde bereits mehrfach zur globalen Nr. 1 im Umwelttechnikbereich gerankt, jetzt darf er sich über den österreichischen Clusterpreis in der Kategorie Startups freuen. Die Jury überzeugte vor allem die Zusammenarbeit etablierter und junger Unternehmen im Cluster. Mit Aktivitäten wie dem „Green Tech Hub“ auf zwei Etagen im Science Tower, der Leitveranstaltung „Top of Green Tech“ mit Tech-Investor Frank Thelen am 25. März sowie dem Green Tech Summer Graz mit dem Motto „Gründen statt Praktikum“ ist der Cluster Österreichs Plattform grüner Startups.

Wirtschaftsministerin Schramböck überreicht den Clusterpreis an den Green Tech Cluster.

© BMDW/Hartberger

150 grüne Startups „Made in Austria“

Die neue „Climate Tech Landscape“ bietet erstmals einen Gesamtüberblick zu allen grünen Startups in Österreich. Die Dynamik beim Thema Klimaschutz legt stark zu und wird von Österreichs Startup-Szene aktiv vorangetrieben. 25 Prozent der grünen Startups Österreichs sind in der Steiermark entstanden, das sind doppelt so viele wie in anderen Branchen.

Eine echte Erfolgsstory ist jene von EET. Christoph Grimmer und sein Team bieten Solarkraftwerke für urbane Nomaden: Einfach PV-Modul am Balkongeländer anbringen und den Batteriespeicher an der Steckdose anstecken – schon wird Sonnenstrom genutzt. „Der Cluster verstärkt den Rollout unserer neuen Technologien seit Jahren massiv“, so der EET-Gründer Christoph Grimmer zum Cluster-Support.

Globales Labor für digitale Kreislaufwirtschaft

Im Green Tech Valley heben außerdem neue Forschungs- und Entwicklungsprojekte im industriellen Konsortium „circulAr fuTure“ den Süden Österreichs auf die Weltbühne. Zehn Partner arbeiten gemeinsam an der Vision einer durchgängig digitalisierten Kreislaufwirtschaft mit deutlich höheren Recyclingraten. Rund 20 Mio. € werden dazu in die gemeinsamen Vorhaben im Green Tech Valley investiert. Mit dem neuen Kompetenzzentrum ReWaste F, innovativen Produktentwicklungen sowie dem Einsatz künstlicher Intelligenz wird die Abfallwirtschaft revolutioniert.

Andritz, Binder+Co, Komptech, Mayer Recycling, Redwave, Saubermacher, Know-Center, Montanuniversität Leoben, Land Steiermark und WKO Steiermark arbeiten seit 2018 im Green Tech Cluster an der gemeinsamen Vision einer vollständig digitalen Wertschöpfungskette für die Kreislaufwirtschaft. Dazu wurden kürzlich die Forschungslabore Digital Waste Research Lab und das Andritz Recycling Technology Center eröffnet, nun folgen das neue Kompetenzzentrum ReWaste F sowie untereinander vernetzte Projekte zum Einsatz von künstlicher Intelligenz und übergreifender Digitalisierung.

© PantherMedia/kanvag

Mit künstlicher Intelligenz zu mehr Recycling und Klimaschutz

Die Müll- und Plastikberge wachsen weltweit kontinuierlich an. Künstliche Intelligenz (KI) wird die Sortierung sowie stoffliche Verwertung von Reststoffen hin zu neuen Produkten ermöglichen und auch die Energieeffizienz der Prozesse steigern. Im neuen durch den Zukunftsfonds Steiermark geförderten Projekt KI-Waste von Know-Center und Komptech wird mit innovativem KI-Einsatz der Recyclinganteil um mehr als zehn Prozent erhöht werden. Digitale auf KI-basierte Lösungen weisen zu einer grüneren Zukunft. „Mit diesem Projekt und weiteren Entwicklungen in der gemeinsamen circulAr fuTure Gruppe werden wegweisende Innovationen für die Branche folgen“, erläutert Redwave-Prokurist Carsten Ohl, Prokurist. Dazu werden dann erstmals Bilddaten von Materialströmen mit Daten der Aufbereitungsanlagen kombiniert. Mithilfe von Deep Learning Algorithmen lernt die Bildanalyse-Software, die Materialien wesentlich besser zu unterscheiden, und ermöglicht auch übergreifende Optimierungen entlang der Wertschöpfungskette.

Im neuen, FFG-geförderten COMET-Projekt ReWaste F erfolgt die experimentelle Entwicklung einer „smart waste factory“. In dieser werden Abfälle auf Partikelebene untersucht, charakterisiert und deren technische Recyclingfähigkeit mitbestimmt. Maschinen werden mit neuen Sensoren, Datenerfassungs- und Analysesystemen ausgestattet. Diese wesentliche Weiterentwicklung in der Abfallwirtschaft wird Gesamtanlagenüberwachung, wertstoffoptimierte Steuerung und energieoptimierten Betrieb ermöglichen. „Unter dem Lead der Montanuniversität Leoben arbeiten 18 Partner bis 2025 in diesem 4,85 Mio.-€-Projekt“, so Roland Pomberger vom Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft.

Grüne Technologie ist ein Zukunftssektor und ein wirtschaftliches Stärkefeld der Steiermark: 14 von 18 österreichischen Umwelttechnik-Kompetenzzentren haben ihren Sitz in diesem Bundesland und leisten gemeinsam mit dem Green Tech Cluster einen wesentlichen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz. Das Green Tech Valley, eine bundesländerübergreifende Kooperation von Steiermark und Kärnten, ist ein globaler Hotspot. 235 Unternehmen, darunter 20 Technologieführer, und 1.800 universitär Forschende entwickeln gemeinsam im Green Tech Cluster grüne Innovationen. In zehn Jahren haben die Unternehmen die Beschäftigung verdoppelt und den grünen Umsatz auf fünf Mrd. € verdreifacht.

Apropos Cluster: Boomt auch in Niederösterreich

Forschung und Entwicklung gewinnen auch im Lebensmittelbereich immer stärker an Bedeutung, um die vielfältigen Herausforderungen der Zukunft erfolgreich zu bewältigen. Dabei unterstützt der ecoplus Lebensmittel Cluster NÖ die Branche entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Hier sind innovative Lösungen gefragt, die einerseits den Anforderungen der Konsument von Qualität, Geschmack und Regionalität gerecht werden und gleichzeitig die Wertschöpfung der Unternehmen steigern. Kooperative Forschungsprojekte leisten dabei einen wichtigen Beitrag.

Um bei den aktuellen Herausforderungen zu guten Lösungen zu kommen, ist es notwendig, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen – von den Bauern über die Mühlen bis zur produzierenden Lebensmittelindustrie. Dieses gemeinsame Vorgehen hat sich im Clusterbereich in der aktuellen Krise bewährt. Im Lebensmittel Cluster NÖ wurden in den letzten Jahren insgesamt 127 Kooperationsprojekte mit mehr als 800 Projektpartnern erfolgreich unterstützt und begleitet. Dadurch steigt auch die Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze in Niederösterreich werden gesichert.

Ein Beispiel für die klimabedingte Veränderung von Produkteigenschaften ist Österreichs wichtigstes Brotgetreide. Längere Trockenperioden verändern die Eigenschaften des Weizens, der dadurch sowohl für die Mühlen als auch für die lebensmittelproduzierenden Betriebe immer schwieriger zu verarbeiten wird. Im überbetrieblichen Kooperationsprojekt „Klimatech“ werden nun einerseits die Verarbeitungseigenschaften von alternativen Getreidesorten untersucht, die bei uns angebaut werden und mit den sich ändernden klimatischen Bedingungen gut zurechtkommen. Andererseits werden die genauen Mischungsverhältnisse erforscht, damit beliebte Produkte wie Semmeln oder Schnitten auch künftig den Ansprüchen der Kunden an Qualität und Geschmack entsprechen.

LH-Stv. Stephan Pernkopf, GoodMills Österreich-GF Peter Stallberger, Wirtschafts- und Technologielandesrat Jochen Danninger (v.l.).

© NLK Burchhart

Ein Betrieb, der sich im Kooperationsprojekt „Klimatech“ engagiert, ist die GoodMills Österreich GmbH. Geschäftsführer Peter Stallberger: „Viele aktuelle Problemstellungen in der Lebensmittelwirtschaft sind völlig neuartig. Es gibt keine Erfahrungswerte und wir müssen möglichst schnell kreative Konzepte und innovative Lösungen entwickeln. Die Zusammenarbeit im Cluster ist dabei ein enormer Vorteil. Im Lebensmittel Cluster sind sowohl die gesamte Branchenvielfalt als auch die wichtigsten Forschungseinrichtungen vertreten. Alleine wären so vielschichtige, komplexe Herausforderungen kaum oder nur mit erheblichem Aufwand zu meistern.“

Hinter den Klima-Kulissen

Durch die Klimaveränderungen ist es in den vergangenen Jahren zu längerfristigen Trockenperioden gekommen, die vor allem auf die Zusammensetzung des Weizens, Österreichs wichtigstem „Brotgetreide“, starke Auswirkungen haben. Die Trockenheit führt zu einer höheren Stickstoffkonzentration im Boden, der im Weizen zu Eiweiß gebunden wird. Durch den gesteigerten Proteingehalt lassen sich Weizenmehle in der gewerblichen und industriellen Produktion schwieriger verarbeiten. Bei Feinbackwaren, Kuchen, Keksen und Waffeln sind solche Mehle kaum einsetzbar. Bäckereien und Waffelerzeuger sind daher intensiv auf der Suche nach einer Lösung, um den gesteigerten Eiweißgehalt auf natürlichem Weg durch die Beimischung alternativer, heimischer Körnerfrüchte auszugleichen.

Eine Gruppe von acht Unternehmen aus den Bereichen Mühle, Backmittelerzeuger, Bäckereien und Waffelerzeuger, die traditionell österreichisches Getreide verarbeiten, haben daher gemeinsam mit dem ecoplus Lebensmittel Cluster Niederösterreich sowie den beiden Forschungspartnern Institut für Lebensmitteltechnologie der Universität für Bodenkultur Wien und der HTL für Lebensmitteltechnologie, Getreide- und Biotechnologie Wels das Branchenprojekt „Klimatech“ gestartet. Es wird erforscht, inwieweit alternative Getreidefrüchte wie Sorghum, Hirse, Buchweizen und Amaranth, die in Österreich auch unter Berücksichtigung von klimainduzierten Veränderungen (Trockenheit, Hitze) erfolgreich angebaut werden können, dem Weizen beigemischt werden können, um so auch weiterhin den Konsumenten (Fein)Backwaren in gewohnter Qualität und aus regionalen Rohstoffen anbieten zu können. Durch Einsatz von Sorghum kann als positiver Nebeneffekt auch der Zuckergehalt in Feinbackwaren reduziert werden. Durch Sorghum wird der Süßgeschmack stärker wahrgenommen. Dadurch kommen die Produkte ohne geschmackliche Einbußen mit weniger Zucker aus.

Unternehmenspartner sind Ankerbrot GmbH & Co KG, CSM Austria GmbH, Goodmills Österreich GmbH, Hans Frauenlob Hochmühle, Haubis GmbH, Josef Manner & Comp. AG, Pfahnl Backmittel GmbH und die Strobl Naturmühle GmbH. Als Forschungspartner agieren Institut für Lebensmitteltechnologie der Universität für Bodenkultur Wien, HTL für Lebensmitteltechnologie, Getreide- und Biotechnologie Wels. Assoziierte Partner sind außerdem die Landwirtschaftskammern Burgenland, Niederösterreich und Oberösterreich. Das Projekt wird als „Collective Research Projekt“ durch Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) gefördert. Insgesamt werden 300.000 Euro in diesem Projekt investiert.

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