Blick ins Tomorrow-Land

Mehr Roboter, weniger Servicejobs: Bei der virtuellen Technologiekonferenz der Außenwirtschaft Austria der WKO skizzierten Experten des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT), wie die Zukunft aussehen könnte.

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Blicken wir gemeinsam in die Kristallkugel: Wie wird die Zukunft aussehen? Die Corona-Pandemie hat unsere Art zu arbeiten verändert, hat uns Home Office und Videokonferenzen beschert. Aber wird das bleiben, wenn die Pandemie irgendwann vorüber ist bzw. immer mehr Menschen geimpft sind? Ja, ist David Autor, Ökonom am MIT, überzeugt. Mehr noch: Die veränderte Arbeitswelt wird auch den Arbeitsmarkt der Zukunft erheblich beeinflussen.

MIT-Arbeitsmarktexperte David Autor: „Im Dienstleistungsbereich gehen viele Jobs verloren.“

© MIT/edu

Seine Kernthesen:

  • Home Office, Tele-Präsenz und Videokonferenzen werden bleiben. Der einfache Grund: „Eine höhere Produktivität und mehr Lebensqualität für die Beschäftigten“, sagt David Autor. Nutzen werden das vor allem Menschen in höherqualifizierten Jobs.
  • Das verstärkte Arbeiten im Home Office verändert auch die Städte. Sie werden zwar weiterhin als kreative und lebendige Zentren attraktiv bleiben, sind aber nicht mehr alternativlos. Autor: „Man muss nicht mehr unbedingt im Silicon Valley sitzen, um innovativ zu sein.“
  • Der Arbeitsmarkt speziell in den USA, aber auch in Europa, hat sich in den vergangenen 30 Jahren in Form einer „Hantel“ verändert: Dicke Enden und in der Mitte dünn. Denn es sind viele neue gutbezahlte Jobs für Fachkräfte entstanden bei gleichzeitiger Zunahme von schlecht bezahlten Service- und Dienstleistungsjobs am anderen Ende, den sogenannten McJobs. Die Mitte dagegen, also klassische Büro- und Verwaltungstätigkeiten, wurde ausgedünnt. Immer mehr dieser Routine-Aufgaben werden mittlerweile effizienter online erledigt.  
  • Allerdings werden gerade diese Niedriglohn-Arbeitsplätze in Zukunft unter Druck kommen. „Im Tourismus werden nicht alle Jobs zurückkommen“, ist der Arbeitsmarkt-Experte des MIT überzeugt, „und das gilt auch für viele andere Dienstleistungsbereiche.“ Der Grund dafür ist die veränderte Arbeitswelt. „Geschäftsreisen werden nicht mehr auf das Vor-Corona-Niveau kommen“, sagt David Autor. Die Folgen spüren dann nicht nur die hochpreisigen Business-Hotels. Denn Geschäftsreisende schlafen nicht nur, sie fahren auch Taxi, gehen essen und einkaufen, lassen sich ihre Wäsche reinigen. Und das wird dramatisch abnehmen – mit entsprechenden Konsequenzen für die Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich. Autor: „Das wird schmerzhaft.“
  • Nebeneffekt für die Hotelbranche: Das bisherige Modell, die Zimmer von Montag bis Freitag für 300 Euro pro Nacht an Business-Kunden zu vermieten und am Wochenende für 100 Euro an Stadturlauber, wird so nicht mehr funktionieren. Mit deutlich weniger Geschäftsreisenden muss das Preissystem neu gestaltet werden.

Der Online-Shop ist nur ein Basis-Tool der Digitalisierung, das nächste ganz große Ding ist die Künstliche Intelligenz.

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Kollege Roboter

Die Digitalisierung hat durch die Corona-Pandemie einen gewaltigen Schub erfahren. Wer als Händler in den vergangenen Monaten keinen Web-Shop hatte, tat sich mit dem Verkaufen schwer. Doch der Online-Shop ist nur ein Basis-Tool der Digitalisierung, das nächste ganz große Ding ist die Künstliche Intelligenz. Damit haben sich bei der WKO-Konferenz gleich zwei MIT-Expertinnen beschäftigt, Julie Shah und Daniela Rus.

Ihre wichtigsten Erkenntnisse:

  • Derzeit arbeiten Roboter vorwiegend in einem fest strukturierten und klar umrissenen Raum und übernehmen standardisierte Aufgaben. Klassische Anwendungen sind Montage-Roboter an Fertigungsstraßen oder die Zusammenstellung von Warenkörben in großen Lagern.
  • Bisher arbeiten Roboter neben Menschen und unabhängig von ihnen. „Der nächste Schritt der Entwicklung wird die Zusammenarbeit und Kooperation von Mensch und Maschine“, so MIT-Expertin Julie Shah, „das wird die Produktivität enorm erhöhen.“
  • Bei einem Test-Einsatz wurde Künstliche Intelligenz im Krankenhausmanagement eingesetzt, konkret beim Managen einer Station. Der Roboter gab Empfehlungen, welcher Patient in welches Zimmer kommt und welcher Pfleger sich um was zu welchem Zeitpunkt kümmert. „Zu 90 Prozent hat das Personal die Empfehlungen des Roboters übernommen“, freut sich Shah.
  • Doch damit Künstliche Intelligenz den Menschen am Arbeitsplatz wirklich unterstützen kann, müssen die dort Beschäftigten mehr als bisher einbezogen werden. „Nicht der Roboter muss programmiert werden, sondern die zu lösenden Aufgaben“, formuliert das Julie Shah, „und zwar nicht durch IT-Experten, sondern durch die Menschen, die vor dieser Aufgabe stehen.“
  • Aber wie können Laien Roboter richtig programmieren? Einfacher als gedacht, durch Übung. „In dem man den Roboterarm mehrfach wie gewünscht bewegt und die Aufgabe ausführt, lernt die Maschine, was sie zu tun hat“, erläutert Shah. Die nächste Stufe sind Roboter, die mit ihrem menschlichen Kollegen interagieren, auch dafür gibt es schon Modelle.
  • „Aber keine Angst: es besteht keine Gefahr, dass Roboter wie im Film „Terminator“ irgendwann die Welt beherrschen“, beruhigt Daniela Rus, die beim MIT die Bereiche Computer Science und Künstliche Intelligent leitet. „Menschen können abstrakt Denken und sind kreativ, das können Maschinen nicht.“ Selbst das autonome Fahren, relativ weit in der Entwicklung, stößt an Grenzen. Hohes Tempo, Regen und Schnee und Verkehrssituationen mit hoher Komplexität wie etwa Rush Hour in großen Städten, all das können autonome Fahrzeuge noch nicht beherrschen, so die Forscherin.
  • Ihre Zukunftsvision: „Roboter helfen uns bei körperlich schwerer Arbeit, selbstfahrende Autos werden die Zahl der Verkehrstoten verringern und für eine ständig verfügbare Mobilität sorgen. Robotermülltonnen bewegen sich selbst zum Gehsteig, wo sie von selbstfahrenden Müllautos abgeholt werden.  Uns Menschen bleibt mehr Zeit für Aktivitäten, die Fähigkeiten wie Kreativität oder Kommunikation erfordern, die von Computern nicht erfüllt werden können.“

Autor: Mag. Arne Johannsen

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