Beim Spenden sind „wir" groß

Die heimischen Unternehmen spenden im Jahr mehr als 100 Millionen Euro – es „geht" auch mit Crowdfunding.

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83% der österreichischen Unternehmen engagieren sich laut Fundraising Verband Austria in Form von Geld-, Sach- oder Personalspenden. Für immer mehr gehört es zur Firmenphilosophie, einen bestimmten Anteil des Jahresgewinns zu spenden, was eindeutig für die steigende soziale Verantwortung von Österreichs Betrieben spricht.

Spendenmotor in der Wirtschaft sind die zahlreichen und oft regelmäßigen Zuwendungen der kleinen und mittleren Betriebe – durchschnittlich pro Jahr beachtliche 6.400 €. Insgesamt spenden Österreichs Unternehmen rund 100 Mio. € im Jahr; das Engagement läuft dabei vornehmlich auf lokaler und regionaler Ebene ab.

Geldspenden werden am liebsten für die Kinderhilfe, die Sportförderung, Menschen mit Behinderung und sozial Bedürftige gegeben. 62% der Betriebe unterstützen Hilfsorganisationen durch Sponsoring – sie engagieren sich also für eine Organisation, von der eine Gegenleistung wie z.B. Werbung bzw. Kommunikation erwartet wird.

Knappe 20% führen Mitarbeiteraktivitäten zugunsten einer Non-Profit-Organisation durch wie z.B. Verdopplung eines von Mitarbeitern gespendeten Betrages. Rund 16% der Unternehmen sammeln im Rahmen von Veranstaltungen (z.B. Versteigerung, Spendengala).

Und warum?

Günther Lutschinger, Geschäftsführer des Fundraising Verbands Austria.

Als Motiv, sich zu engagieren, gibt die Hälfte der Unternehmen allgemein die humanitäre bzw. weltanschauliche Einstellung an. Rund 40% wollen der Gesellschaft etwas zurückgeben. Für jede dritte Firma gehört gemeinnütziges Engagement zu ihrer Unternehmensphilosophie.

„Mit unserem Service- und Informationsangebot möchten wir möglichst viele Unternehmen – insbesondere die KMU – motivieren und ihnen beim Engagement und bei der Wahrnehmung ihrer gesellschaftlichen Verantwortung beratend zur Seite stehen“, erklärt Günther Lutschinger, Geschäftsführer des Fundraising Verbands Austria, die kürzlich initiierte Initiative „Aktion Wirtschaft hilft!“ mit dem Ziel, eine Brücke zwischen Unternehmen und gemeinnützigen Organisationen zu bauen. Als Vorbild gilt dabei das international verbreitete „Committed Giving“. „Immer mehr Unternehmen verpflichten sich, jährlich ein oder zwei Prozent ihres Betriebsergebnisses für gemeinnützige Zwecke zu spenden“, erläutert Lutschinger. „Würden Österreichs Unternehmen ein Prozent ihres Gewinns für gemeinnützige Projekte spenden, gäbe es rund 300 Millionen Euro für humanitäre, soziale, Bildungs- und Umweltanliegen“ – also rund das Dreifache des derzeit aufgebrachten jährlichen Gesamtbetrags.

Noan und Packrafting Europe

Das Team von Noan legt den Fokus besonders auf Bildungsprojekte.

Das für besondere Olivenprodukte bekannte Unternehmen „Noan“ beispielsweise gibt den Gewinn jährlich an Bildungsprojekte weiter. „In den vergangenen Jahren konnten wir so über 230.000 Euro spenden“, erklären die beiden Gründer Margit und Richard Schweger.

Ebenso engagiert ist Seon Crockford-Laserer mit seinem auf Packrafting-Ausstattung spezialisierten Unternehmen „Packraft Europe“. Er hat sich dem Schutz der Umwelt verschrieben und ist mit seinem Betrieb Mitglied von „1% for the planet“. Bei dieser internationalen Initiative verpflichten sich Unternehmen, jährlich ein Prozent des Umsatzes zu spenden. „Unsere Vision ist, die natürlichen Wildnisgebiete zu schützen, die wir selbst so schätzen und genießen“, meint Crockford-Laserer. „Mit unserem Unternehmen möchten wir es für die Menschen einfacher und sicherer machen, die Natur zu entdecken und sich mit ihr zu verbinden. Wenn Sie schon einmal auf einem unberührten Fluss gepaddelt oder ein Wildnisgebiet erkundet haben, können Sie nicht anders, als dieses zu schützen und zu pflegen.“

Crowdfunding-Plattform für das Rote Kreuz online

Das Rote Kreuz versucht sich mit einem neuen Auftritt am Instrument “Crowdfunding”.

Das Rote Kreuz wiederum hat das Instrument „Crowdfunding“ für sich entdeckt. Mit dem digitalen Auftritt auf www.jetzt-helfen.at werden Online-Spenden für ausgewählte Projekte gesammelt. „Die Spender entscheiden selbst, wie viel sie in welche Kampagnen investieren möchten“, erläutert Tobias Mindler vom Roten Kreuz Burgenland. Die Spenden fließen zu 100% in die Finanzierung der Projekte und sind steuerlich absetzbar. Mindler: „Täglich hat das Rote Kreuz Kontakt zu Menschen, die unsere Hilfe benötigen. Persönliche und regionale Nähe ist Teil unserer Arbeit – und wir haben versucht, diese Nähe auch bei Onlineprojekten zu gewährleisten.“

Die altbekannten und bewährten Möglichkeiten, zu spenden, bleiben selbstverständlich unverändert. „Crowdfunding ist eine zusätzliche Möglichkeit für Menschen, die Spenden lieber über das Internet abwickeln“, bestätigt Mindler. „Natürlich kann man das aber auch nach wie vor über die bisher bekannten Wege machen.“

Mit einer White-Label-Plattform ermöglicht es die Crowdinvesting-Plattform Conda, die aktuellen Crowdfunding-Projekte des Roten Kreuzes technisch umzusetzen. Conda ist Österreichs größte Crowdinvesting-Plattform; seit seiner Gründung 2013 konnte das Unternehmen erfolgreich insgesamt 106 Projekte mit mehr als 25 Mio. € finanzieren. Mittlerweile zählt Conda mehr als 30.000 Investoren zur Community.

Zurück zur Aktion „Wirtschaft hilft!“, die Unternehmen dabei unterstützt, gesellschaftlich aktiv zu werden und an gemeinnützige Organisationen zu spenden. Zentrales Serviceinstrument dafür ist der Spendenguide für Unternehmen; darin findet sich neben einem ausführlichen Service- und Informationsteil ein Überblick über die Arbeit und die Projekte von 43 gemeinnützigen Organisationen. Diese decken ein breites inhaltliches und gesellschaftliches Spektrum ab – von der Kinderhilfe, über die Entwicklungszusammenarbeit bis hin zu Wissenschaft und Forschung. Begleitet wird die Aktion vom Webportal www.wirtschaft-hilft.at.

Vorbildliche Spendenideen

Die „Aktion Wirtschaft hilft!“ holt mit einem eigenen Award engagierte Unternehmen vor den Vorhang. Bis Mitte Jänner 2020 sind Österreichs Unternehmen aufgerufen, ihre erfolgreichen, innovativen und kreativen Spendenprojekte mit österreichischen Unternehmen einzusenden; im Frühjahr werden dann die besten als „Unternehmensspender des Jahres“ gekürt.

„Fundraiser des Jahres“ Werner Kerschbaum, Generalsekretär Rotes Kreuz, mit Günther Lutschinger, GF des Fundraising Verbands.

Aktueller „Fundraiser des Jahres“ ist der langjährige Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes, Werner Kerschbaum, einer der engagiertesten Österreicher für humanitäre Anliegen. Seit 1999 hat der gebürtige Steirer beim Österreichischen Roten Kreuz den gesellschaftlichen Blick für soziale Fragen geschärft. Als Generalsekretär von 2012 bis 2019 hat er die Geschicke dieser wichtigen Institution für humanitäre Hilfe entscheidend gelenkt und damit das österreichische Spendenwesen nachhaltig mitgeprägt. Mit großem Mut, Idealismus und Menschlichkeit ging er stets als Botschafter voran, wenn es darum ging, das gesellschaftliche Miteinander und Solidarität mit den schwächeren Mitgliedern unserer Gesellschaft einzumahnen. „Aus Liebe zum Menschen“ ist nicht nur das Motto des Österreichischen Roten Kreuzes, sondern auch sein persönliches Credo: Zwei Jahrzehnte lang hat er die Entwicklung der führenden Hilfsorganisation des Landes entscheidend geprägt.

Zuletzt wurden 2018 Heli Dungler, Gründer und Stiftungspräsident von Vier Pfoten, 2017 KHM-Generaldirektorin Sabine Haag, 2016 der langjährige Caritas-Präsident Franz Küberl, 2015 Alexander Wrabetz für die ORF-Hilfsaktion „Helfen wie wir“, 2014 Karlheinz Böhm posthum für sein Lebenswerk und 2013 Willi Resetarits für ihr herausragendes gesellschaftliches Engagement ausgezeichnet.

Weitere Fundraising Awards-Preisträger 2019

Der Award für den besten Fundraising-Spot des Jahres (Partner: ORF) ging an die Kinderhilfsorganisation Plan International. Die Spot-Kampagne „#siekann“ setzt sich unter dem Motto „Mädchen verändern die Welt“ für gleiche Chancen und ein selbstbestimmtes Leben für Mädchen und Frauen ein.

In der Kategorie „Beste Fundraising Innovation des Jahres“ (Partner: VSG Direkt) machte World Vision Österreich mit einer von der Firma Formunauts entwickelten Software das Rennen. Diese Innovation ermöglicht nicht nur eine nachhaltigere und effizientere Spendenwerbung im öffentlichen Raum, sie macht die positiven Auswirkungen der eigenen Arbeit für die Fundraiser unmittelbar sichtbar und fördert so deren Motivation.

Caritas Österreich und die Verbund AG überzeugten die Jury in der Award-Kategorie „Partnerschaft des Jahres“ (Partner: Erste Bank). Der Verbund-Stromhilfefonds der Caritas bietet notleidenden Menschen in Österreich seit 2009 umfassende Unterstützung im Energiebereich mit finanzieller Soforthilfe, Energieberatungen und gratis Gerätetausch.

Den Preis für das beste Direct Mailing des Jahres (Partner: Österreichische Post AG) holte in diesem Jahr der KHM-Museumsverband. Der von der Agentur fundoffice entwickelte Spendenbrief sprach den wissenschaftlichen Background der „Vermeyen Kartons“ aus der Hochrenaissance an und zeigte in personalisierter Form das Vor- und Nachher der Restaurierung dieses wichtigen kulturellen Erbes.

Das WUK, Verein zur Schaffung offener Kultur- und Werkstättenhäuser, wurde mit dem Fundraising Award für die Fundraising-Aktion des Jahres (Partner: Sextant) ausgezeichnet. Die ebenfalls von der Agentur fundoffice konzipierte Spendenkampagne „WUK retten. Jetzt!“ wirbt seit Ende 2018 mit einem umfassenden Maßnahmenmix für die Sanierung der denkmalgeschützten Kultureinrichtung.

In der Kategorie „Fundraising Online-Kampagne des Jahres“ (Partner: yuutel) ging der Award an SOS Kinderdorf Österreich für die Kampagne anlässlich des „Giving Tuesday“. SOS-Kinderdorf hatte als eine der ersten österreichischen Spendenorganisation die Idee einer gezielten Online- Fundraising-Kampagne zum internationalen Tag des Gebens. Dabei verdoppelt ein Unternehmenspartner die ersten 5.000 € an Spenden im Rahmen der Kampagne.

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