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21.01.2019 | 2 min

Banken – Baustelle Banken

Zu niedrige Zinsen und zu viele Filialen – und jetzt auch noch digitale Konkurrenten: Die Banken-Branche befindet sich im Dauer-Umbruch.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die konsolidierte Bilanzsumme aller 628 Kreditinstitute in Österreich lag 2018 bei rund 967 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2014 waren es noch 1.078 Milliarden und 764 Institute. Anders betrachtet: In Österreich kommen 2.354 Einwohner auf eine Bankstelle bzw. kommen 4,8 Bankstellen auf 10.000 Einwohner. Deutschland bringt es auf 3,5 Filialen und die Niederlande auf genau eine Filiale pro 10.000 Einwohner.

„Österreichs Banken haben sich in den letzten Jahren gut entwickelt“, sagt Johann Strobl, CEO der Raiffeisen Bank International, „sie haben ihre Kapitalausstattung und Risikotragfähigkeit deutlich verbessert.“ Das makroökonomische Umfeld ist günstig, so Strobl, um begonnene Strukturreformen weiter voranzutreiben. „Der Wettbewerb am österreichischen Markt ist anhaltend scharf, sodass sich sowohl Firmen- als auch Retailkunden im europäischen Vergleich über günstige Konditionen freuen können“, meint der RBI-CEO. Das anhaltende Niedrigzinsumfeld erschwert die Geschäftstätigkeit der Banken: „Dieses gilt es ebenso zu meistern, wie die Profitabilität zu verbessern sowie die Eigenmittelausstattung weiter zu stärken“, beschreibt Johann Strobl die Herausforderungen an die Bankenbranche.

Schwindende Renditen

Peter Böhler, Marktvorstand Bankhaus Schelhammer & Schattera AG, sieht die Lage kritischer: „Die Entwicklung der Bankenbranche war für mich in den letzten Jahren enttäuschend, aber auch nicht ganz unerwartet. Kaum ein Institut hat es geschafft, die Rendite auf das Eigenkapital zu steigern.“ Die meisten, so Böhler, kämpfen ganz im Gegenteil mit rückläufigen Margen und anhaltendem Kostendruck: „Banken und Wirtschaft sind bekanntlich sehr eng miteinander verknüpft. Das niedrige Wirtschaftswachstum und die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank schlagen sich direkt im Zinsergebnis der Bankinstitute nieder. Hinzu kommen immer neue Regulierungen, die in den Banken Ressourcen binden und die Kosten nach oben treiben.“

Aber es gibt auch hausgemachte Herausforderungen, wie das nach wie vor dichte und kostspielige Filialnetz oder den Abbau von Altlasten etwa in Form vergangener Expansionsphantasien. Für die Zukunft ortet der Schelhammer & Schattera-Vorstand Chancen. „Die liegen in der Digitalisierung der Branche, die man über eine bunte App und ein besonders ,convenientes‘ Online-Banking hinaus denken muss. Die Bankenbranche bekommt mit der Digitalisierung die einmalige Chance, wieder dorthin zu kommen, wo der Kunde ist, und gleichzeitig dem steigenden Kostendruck durch die Digitalisierung interner Prozesse zu begegnen. Wir müssen sie nur nutzen“, meint Peter Böhler.

„Österreichs Banken haben sich in den letzten Jahren gut entwickelt, sie haben ihre Kapitalausstattung und Risikotragfähigkeit deutlich verbessert.“ JOHANN STROBL