Co-Herausgeber und Europa-Experte Christoph Leitl

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05.03.2021 | 1 min

America is back!

Die aktuellsten Top-News von unserem Co-Herausgeber und Global-Experten Christoph Leitl.

Liebe PON-Leserinnen und Leser,

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America is back!

Dieser Spruch von Joe Biden bezieht sich auch auf die Wirtschaft. Wenn Biden sein Konjunkturankurbelungsprogramm durch den Kongress bringt, wird die US-Wirtschaft ein starkes erstes Quartal erleben.

Die Dynamik in Asien ist weiterhin gegeben, die Wachstumsraten sind erstaunlich. America is back, China war nie weg.

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Und Europa?

Auf der europäischen Ebene ist man nicht einig, welche Projekte zur Wirtschaftsbelebung gefördert werden sollen, auf der nationalen Ebene ist man mit den Projekteinreichungen schwer in Verzug. Wieder einmal ist Europa zu langsam, die Nationalstaaten oft nicht fähig, die angebotenen Möglichkeiten zu nutzen.

Die Folgen der starken wirtschaftlichen Erholung unserer Haupthandelspartner: Steigende Zinsen, ein stärkerer Dollar und damit steigende Energie- und Rohstoffkosten – für das schwache europäische Konjunkturpflänzlein alles andere als ein benötigter Wachstumsimpuls.

Amerika und Asien wurden im Vergleich zu Europa für Investoren und für junge Unternehmer attraktiver. Sie haben genügend Mittel für Start-ups und Wachstumsunternehmen, einen Kapitalmarkt, der in Europa nicht existent ist. Die Finanzierungslast bleibt in Europa daher überwiegend bei den Banken, die jedoch durch zusätzliche Regulierungen, Vorschriften und Bürokratie bei der Darlehensvergabe gehandicapt sind, was wiederum weiteres Wachstum vor allem bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen bremst. Und in den meisten technologischen Zukunftsfeldern sind amerikanische oder asiatische Unternehmen längst dabei, die Spitzenpositionen unter sich auszumachen.

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Europa am Ende?

Ja, wenn wir so in unserem gemächlichen Trott weitermachen und politisch wie ökonomisch auf der Welt die Zuschauerränge besetzen. Nein, wenn es gelingt, die großartigen Kreativitätspotentiale unserer Menschen in Innovationen zu verwandeln und mit europäischer Einigkeit, Tatkraft und talentebezogener Aus- und Weiterbildung sowie gezielter Nutzung der Mittel aus dem europäischen Forschungsprogramm aus dem Zweikampf USA – China des ersten Quartals einen spannenden Dreierwettbewerb USA – China – Europa in diesem Jahrzehnt zu machen.

Dazu wird viel Vertrauen und Optimismus notwendig sein. Gewaltige Summen sind in der Corona-Krise in den Sparstrümpfen der Menschen gelandet, die Motivation der Konsumenten hat gelitten. Sie wieder neu zu entfachen ist jetzt unsere Aufgabe. Die Stärkung des gemeinsamen Binnenmarktes in den Bereichen Kapital, Digitalisierung und Energie sind die jetzt notwendigen Schritte. Die europäische Wirtschaft kämpft dafür.