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Die geschäftsführenden Direktoren der Doppelmayr Holding SE, Thomas Pichler und István Szalai

29.09.2021 | 5 min

Doppelmayr SE 2020/2021: Dankbarkeit, Zuversicht und Leidenschaft

Thomas Pichler und István Szalai, die geschäftsführenden Direktoren der Doppelmayr Holding SE, im Interview.

Das vergangene Jahr war für viele Unternehmen ein herausforderndes. Wie würden Sie das Wirtschaftsjahr 2020/21 der Doppelmayr Holding SE beschreiben?

Thomas Pichler: Unser Wirtschaftsjahr beginnt immer am 1. April. 2020 war das mitten im ersten Lockdown. Die
Tragweite der globalen Corona-Pandemie war damals aber noch nicht absehbar. Insbesondere der Tourismus wurde
weltweit und besonders hart getroffen. Die Unsicherheiten, mit denen unsere Kunden konfrontiert waren, haben in der
ganzen Seilbahnbranche zu einem Auftragseinbruch und Verschiebungen von Ausschreibungen und Aufträgen geführt.
Die daraus resultierenden Konsequenzen werden uns auch in den nächsten Jahren noch begleiten. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Umsatz der Doppelmayr Holding SE im Geschäftsjahr 2020/21 um 12,5% zurückgegangen – auf 763 Mio. Euro.
Während in den Umsatzerlösen auch die Realisierung von Projekten dargestellt ist, welche noch vor der Pandemie akquiriert wurden, sind die Auswirkungen vor allem im Rückgang der Betriebsleistung um 30% ersichtlich.
Trotz aller Anstrengungen, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie abzufedern, war es im Herbst letztes Jahr notwendig, unseren Personalstand den veränderten Bedingungen anzupassen. Das war ein schmerzlicher, aber leider notwendiger Schritt. Wir sind für die nächsten Jahre mit einem engagierten Team, das lösungsorientiert unseren Kunden zur Seite steht, gut aufgestellt. Es freut uns zudem sehr, dass sich wieder zahlreiche junge Leute für eine Lehre bei uns entschieden haben. Die Ausbildung hat einen hohen Stellenwert in unserem Unternehmen und stellt eine wichtige Säule der Unternehmensentwicklung dar. Denn für die Umsetzung unserer Projekte braucht es gut ausgebildete Fachkräfte und Experten mit Erfahrung.
In diesem anspruchsvollen Umfeld ist es uns im letzten Geschäftsjahr dennoch gelungen, Großprojekte wie die Seilbahnen für die Olympischen Spiele 2022 in Peking oder die hochmoderne Dreiseilbahn Eiger Express in Grindelwald termingerecht und zur Zufriedenheit unserer Kunden fertigzustellen.

Die Digitalisierung hat in vielen Bereichen einen Aufschwung erlebt. Auch bei Doppelmayr?

István Szalai: Wir arbeiten auf unterschiedlichsten Gebieten kontinuierlich an digitalen Produkten – mit dem klaren Ziel,
unseren Kunden sowie den Seilbahnfahrgästen nutzenbringende Lösungen zu bieten. Vollautomatisierter und kombinierter Personen- und Gütertransport mit Seilbahnen, autonomer Seilbahnbetrieb mit intelligenter Sensor- und Kameraüberwachung oder ein Resort Management System für effizientes Arbeiten mit unterschiedlichen Infrastruktur-Einheiten eines Tourismus-Resorts, sind nur drei Beispiele, die unseren Kunden bereits zur Verfügung stehen. Auch unsere Kabinen und unsere Steuerungen bieten immer mehr vernetzte Funktionen zur Steigerung von Komfort, Effizienz und Sicherheit.
Die Produktentwicklung mit digitalen Features ist aber nur das eine. Auch in der internen Weiterentwicklung unserer Prozesse haben wir viel dazugelernt. So haben wir die Digitalisierung innerhalb der Doppelmayr Gruppe mit dem Ausbau von Homeoffice-Konzepten, neuen Kommunikationstools und der Weiterentwicklung bestehender in-house Applikationen im IT-Bereich erheblich vorangetrieben.

Als Teil eines gesellschaftlichen Gefüges tragen Unternehmen Verantwortung gegenüber unserer Welt und den Menschen, die darin leben. Welche Initiativen verfolgt Doppelmayr, um einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten?

István Szalai: Ökologische Nachhaltigkeit hat bei Doppelmayr unterschiedliche Facetten. Wichtige Schwerpunkte
sind dabei unsere Prozesse und wie wir als Unternehmen organisiert sind, um einen möglichst kleinen CO2-Fußabdruck
zu hinterlassen. Unser Umweltmanagement ist nach ISO 14001 zertifiziert und seit Jahren ein fester Bestandteil unseres
Qualitätsmanagements. Mit internen und externen Audits überprüfen wir regelmäßig unsere Ressourcennutzung und die Umsetzung von gezielten Maßnahmen in den Bereichen Energiemanagement, Abfallwirtschaft und Vermeidung von Umweltbelastungen. Weltweit ziehen unsere Niederlassungen dafür an einem Strang. Neue Photovoltaik-Anlagen, das Umrüsten von Betriebsmitteln oder Fahrrad-Offensiven für die Mitarbeiter – die Aktivitäten sind sehr vielschichtig.

Thomas Pichler: Bei unseren Produkten legen wir großen Wert auf Umweltfreundlichkeit. Am Berg ist es insbesondere die schonende Einbettung der Seilbahn in die Landschaft und die Energieeffizienz, auf die wir gemeinsam mit unseren Kunden achten. Auch in der Stadt als urbanes Verkehrsmittel liegen die Vorteile auf der Hand: Elektromobil ohne Abgase und mit einer sehr geringen Flächenversiegelung bietet die Seilbahn im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln viele nachhaltige Vorteile. Wir haben einen CO2 -Rechner entwickelt, der projektspezifische Ökobilanzen
– Life Cycle Assessments (LCA) – liefert, um dies transparent zu machen. Dadurch wird ein objektiver Vergleich verschiedener Verkehrsmittel in Richtung nachhaltiger urbaner Mobilität ermöglicht.

Doppelmayr SE

Doppelmayr Holding SE zuversichtlich trotz Umsatzrückgang: 763 Mio. Euro Umsatz und zahlreiche innovative Projekte prägten das Geschäftsjahr 2020/21

Die Doppelmayr Holding SE verbuchte im Geschäftsjahr 2020/21 einen Umsatz von 763 Mio. Euro, was einem Rückgang von 12,5% im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die Betriebsleistung hat sich um 30% auf 669 Mio. Euro reduziert. Beide Veränderungen sind eine Konsequenz aus der globalen Corona-Pandemie, die insbesondere das
Kerngeschäft des Unternehmens – Seilbahnen für den touristischen Einsatz in den Alpen – hart getroffen hat. Auch wenn die nächsten Jahre noch von Covid-19 begleitet sein werden, zeigt sich Doppelmayr zuversichtlich. Zu den abgeschlossenen Projekten im Geschäftsjahr 2020/21 zählen unter anderem Großprojekte wie die Seilbahnen für die
Olympischen Winterspiele 2022 in Peking, die hochmoderne Dreiseilbahn Eiger Express in Grindelwald sowie die größte Intralogistiklösung der Firmengeschichte. Zahlreiche Neuerungen in der Seilbahntechnologie rüsten die Unternehmensgruppe für die Zukunft.
Von 1. April 2020 bis zum 31. März 2021 erwirtschaftete die Doppelmayr Holding SE einen Umsatz von 763 Mio. Euro. Unterschiedlichste Seilbahnanlagen für Skigebiete und Tourismusdestinationen aber auch leistungsfähige Materialtransportsysteme und Intralogistiklösungen haben 3.192 Mitarbeiter weltweit fertiggestellt. Der Zukunft blickt Thomas Pichler, geschäftsführender Direktor der Doppelmayr Holding SE, zuversichtlich entgegen: „Wir haben viele Kunden, die – genauso wie wir – daran glauben, dass sich der globale Tourismus sukzessive wieder erholen wird und gerade jetzt in ihre Regionen investieren.“ Im Kernmarkt Österreich schafft zudem die staatliche Investitionsprämie Anreize für die Zukunft. Weltweit ist zu erwarten, dass sich Märkte mit einem starken Inlandstourismus wie zum
Beispiel die USA oder Russland schneller erholen werden.

Neuheiten im Seilbahnbau

Im vergangenen Jahr hat die Doppelmayr Gruppe eine Vielzahl an Neuheiten auf den Markt gebracht. Die Digitalisierung war dabei ein wichtiges Element. Mit der Gondelbahn Kumme in Zermatt hat Doppelmayr AURO vorgestellt, ein neuartiges System der autonomen Seilbahn. Sie funktioniert bedienerlos und ist ausgestattet mit modernster, vernetzter Technik.
Ebenfalls zukunftsweisend ist die Dreiseilbahn Eiger Express in Grindelwald. Sie kombiniert den vollautomatischen Personen- und Warentransport mit einer Seilbahn. Dies ermöglicht eine intelligente Steuerung, die die unterirdische Intralogistiklösung, den neuentwickelten Beladeroboter und die großzügigen Seilbahnkabinen miteinander vernetzt. In Sachen effizienter Mobilität eröffnet das neue Möglichkeiten – zum Beispiel für den urbanen Einsatz.
Ein Trend, der schon länger zu beobachten ist, ist die Entwicklung von Winterdestinationen hin zu Ganzjahres-Erlebniswelten. Zur Unterstützung dieser Aktivitäten hat Doppelmayr verschiedene Sportgerätehalterungen im Produktportfolio, um beispielsweise Fahrräder für Bike Trails oder ganze Parks transportieren zu können. Das neueste Produkt dafür ist das Bike Cab für Gondelbahnen. Es ermöglicht eine hohe Förderleistung und viel Komfort für die
Gäste.

Tourismus von Pandemie beeinträchtigt

Das von Lockdowns geprägte vergangene Jahr hat den Tourismus besonders hart getroffen. Vor allem der Wintertourismus, auf den traditionell etwa 50% des Doppelmayr-Umsatzes entfallen, erlebte teilweise deutliche Einbrüche, die sich auch auf die Investitionsbereitschaft auswirkten. Während in den Umsatzerlösen auch die Realisierung von Projekten dargestellt ist, welche noch vor der Pandemie akquiriert wurden, sind die Auswirkungen auf das Geschäftsjahr 2020/21 vor allem im Rückgang der Betriebsleistung um 30% ersichtlich.

Gut aufgestellt für die Zukunft

„Auch wenn uns die Pandemie global voraussichtlich noch länger beschäftigen wird, haben wir Grund zu Optimismus“, beschreibt Thomas Pichler den Ausblick auf das aktuelle Geschäftsjahr. „Im vergangenen Jahr haben wir zahlreiche Innovationen und Neuprodukte am Markt lanciert. Auch unsere digitale Kompetenz haben wir ausgebaut. Dazu kommt eine wachsende Akzeptanz der Seilbahn als urbane Mobilitätslösung auch in Europa. So wird zum Beispiel eine Doppelmayr-Seilbahn in der französischen Hauptstadt Paris realisiert. Im Tourismus zeichnet sich ebenfalls eine Erholung ab – die Menschen wollen wieder Berge und Freizeit mit der Seilbahn erleben, im Winter wie im Sommer.“
Mit dem aktuellen Personalstand ist Doppelmayr nach dem ersten Pandemie-Jahr stabil aufgestellt. Gerade jetzt ist eine wesentliche Investition in die Zukunft die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeitenden – von den Facharbeitern bis zu den über 100 Lehrlingen, die aktuell beschäftigt sind.

Nachhaltig weiterentwickeln

Bei der Projektentwicklung legen die Doppelmayr-Ingenieure viel Wert auf eine platz- und ressourcenschonende Umsetzung einer Seilbahn. Am Berg ist es insbesondere die schonende Einbettung der Seilbahn in die Landschaft und die Energieeffizienz, auf die gemeinsam mit den Kunden geachtet wird. Auch in der Stadt als urbanes Verkehrsmittel liegen die Vorteile auf der Hand: Elektromobil ohne Abgase und mit einer sehr geringen Flächenversiegelung bietet die Seilbahn im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln viele nachhaltige Attribute. Doppelmayr hat einen CO2-Rechner entwickelt, der transparent projektspezifische Ökobilanzen – Life Cycle Assessments (LCA) – liefert. Damit wird der
Vergleich verschiedener Verkehrsmittel für die Entwicklung nachhaltiger, urbaner Mobilität ermöglicht. Die Doppelmayr Gruppe verfolgt an allen internationalen Standorten verschiedenste Initiativen, um auch als Unternehmen einen möglichst kleinen CO2-Fußabdruck zu hinterlassen. Garaventa hat in Goldau (Schweiz) beispielsweise 2.122 Solarenergie-Module installiert, die 620.000 kWh Strom pro Jahr erzeugen. „Weitere Standorte wie Gassner
Stahlbau in Bürs (Österreich), der Neubau der LTW und der Doppelmayr Standort in Wolfurt (Österreich) werden bald mit Photovoltaik-Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energie ausgestattet sein“, berichtet István Szalai, geschäftsführender Direktor der Doppelmayr Holding SE, von den aktuellsten Nachhaltigkeitsinitiativen.