Industrie, IV, Oberösterreich

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07.03.2021 | 4 min

2021 stellt die Weichen für den Standort Oberösterreich

Industrie erwartet kräftigen Aufschwung – Post-Corona braucht Initiative zur Umsetzung modern(st)er digitaler Standards.

Corona hält die Welt in Atem. Die Verlängerung des Lockdowns und die damit verbundenen Maßnahmen werden von der IV OÖ mitgetragen, wenngleich der wirtschaftliche Schaden enorm ist. Der produzierende Sektor ist und bleibt der entscheidende Faktor, damit die Wirtschaft Österreichs nicht ins Bodenlose stürzt. Insgesamt hat die OÖ. Industrie 2020 angesichts der Tiefe der Krise aufgrund ihrer breiten Branchenaufstellung gut gemeistert. Stark betroffenen Branchen wie z.B. der Flugzeugindustrie stehen zahlreiche Sektoren wie Medizintechnik und Pharma, Logistik und Verpackung, Elektronik und IKT oder die Baubranche sowie Haus und Garten mit guten bis überdurchschnittlichen Entwicklungen gegenüber. Auch die für Oberösterreich so wichtige Fahrzeugindustrie und insbesondere der Bereich Automotive haben sich im Laufe des Sommers 2020 stark erholt. „Damit die Industrie weiterhin stabilisierend wirken kann, werden umfassende Maßnahmen gesetzt und keine Kosten in den Betrieben gescheut, um den Betrieb trotz Pandemie aufrecht zu erhalten“, erklärt Axel Greiner, Präsident der IV OÖ. „Dazu zählen vor allem Sicherheits- und Hygiene-Konzepte, Maskenbereitstellungen, umfassende Testungen und – wo möglich und sinnvoll – Homeoffice-Lösungen.“

IV OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch (li.) und IV OÖ-Präsident Dr. Axel Greiner (re.)

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Trotz dieser Herausforderungen und der angespannten Situation rund um Corona bleibt die OÖ. Industrie für 2021 optimistisch – mit den Impfungen als Gamechanger bei der globalen Bewältigung der Pandemie. „Der Aufschwung wird durch die Verlängerung des Lockdowns zwar verzögert, aber er kommt und er wird kräftig“, prognostiziert Greiner. Im Zuge der Corona-Krise habe sich die Sparquote verdoppelt, wodurch es für dieses Jahr ein deutlich steigendes Konsumpotenzial gebe. Weiters würden – angetrieben durch die Investitionsprämie – die Investitionen 2021 deutlich überdurchschnittlich ausfallen. Auch die USA dürften nach geschlagener Präsidentenwahl zu zusätzlichem Wachstum beitragen. „Jedes Monat Verlängerung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Einschränkungen durch eine verzögerte Durchimpfung der Bevölkerung verschieben den Wiederaufschwung und kosten damit den Steuerzahler zusätzliche Milliarden.“

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Steiler Anstieg des Konjunkturbarometers

Dass 2021 tatsächlich einen kräftigen Aufschwung bringen wird, zeichnet sich mittlerweile auch in den Konjunkturdaten ab. Haben die Umfragen im Herbst noch eine mäßige Geschäftslage gepaart mit ausgeprägtem Optimismus ergeben, so haben sich nun auch die Ist-Werte deutlich verbessert und in den Positivbereich gewechselt. Bei der IV OÖ-Konjunkturumfrage über das 4. Quartal 2020, an der sich 102 Unternehmen mit insgesamt mehr als 118.000 Mitarbeitern beteiligten, stieg das Konjunkturbarometer von der Nulllinie auf 22,5 Punkte und damit knapp über den Wert vom Dezember 2018, wie IV OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch erläutert: „Verantwortlich für den steilen Anstieg ist der Umstand, dass sich sowohl die Geschäftslage als auch die Geschäftserwartung in der OÖ. Industrie gegenüber dem Vorquartal noch einmal deutlich verbesserten.“ Konkret meldeten – gewichtet nach Mitarbeiterzahlen – mittlerweile 38 Prozent der Unternehmen eine gute Geschäftslage, während nur mehr 34 Prozent ihren derzeitigen Geschäftsverlauf mit „schlecht“ beurteilten. Der Saldo aus Positiv- und Negativmeldungen stieg damit von zuvor –18 Punkten auf nunmehr +5 Punkte. Noch kräftigere Anstiege zeigt die Konjunkturerhebung beim derzeitigen Auftragsbestand und bei den Auslandsaufträgen: Bei Ersteren kletterte der Saldo von zuvor –16 auf nun +20 Punkte, bei Letzteren sogar von –23 auf nunmehr +21 Punkte. Von den Ist-Werten liegt damit nur mehr die derzeitige Ertragssituation im Minusbereich (–21 Punkte, zuvor –26).

Auch bei den in die Zukunft gerichteten Indikatoren kam es überwiegend zu Verbesserungen gegenüber dem Vorquartal – am stärksten bei der Einschätzung der Geschäftslage in einem halben Jahr, wo der Saldo aus Positiv- und Negativmeldungen von zuvor +17 auf nun sehr gute +40 Punkte anstieg. Eine steigende Erwartungshaltung zeigte sich auch bei der Produktionstätigkeit in drei Monaten (+35 Punkte, zuvor +27), bei den Verkaufspreisen in drei (+21 Punkte, zuvor +5) und bei der Ertragssituation in sechs Monaten (+29 Punkte, zuvor +23). Auf stabil hohem Niveau verbleibt auch die Auslastung der Produktionskapazität in drei Monaten (+30 Punkte, zuvor +33). Die Lage am Arbeitsmarkt bleibt angespannt, aber auch beim Beschäftigtenstand in drei Monaten zeigen die Rückmeldungen der Betriebe eine deutliche Erholung von –42 auf nunmehr –9 Punkte.

Aus den Ergebnissen der jüngsten Konjunkturumfrage ist somit zu erkennen, dass ein starker Aufschwung in der OÖ. Industrie kommen wird und die Kapazitäten entsprechend angepasst werden. „Während die Arbeitslosigkeit im Dienstleistungssektor hoch ist, bleibt der Fachkräftemangel in der OÖ. Industrie ein Kernproblem beim Aufbau von zusätzlichen Beschäftigten“, so Haindl-Grutsch. Umschulungen und Neuqualifizierungen sowie mehr Mobilität am Arbeitsmarkt rücken kurz- wie auch längerfristig in den Mittelpunkt eines flexiblen Arbeitsmarktmanagements. Völlig kontraproduktiv seien erneut aktuelle Vorschläge der Arbeitszeitverkürzung „zur besseren Verteilung von Arbeit“ und der Erhöhung der Arbeitslosen-Ersatzrate: „Eine Verfestigung von Arbeitslosigkeit, eine Verteuerung von Arbeit, eine Verschärfung des Fachkräftemangels und damit ein wirtschaftlicher Rückschlag und die Vertiefung der Krise wären die Folge!“

„Physikalische Grundlagen bei der Stromversorgung lassen sich nicht durch ideologische und parteipolitische Sonntagsreden wegdiskutieren“, so IV OÖ Präsident Dr. Axel Greiner.

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Beinahe-Blackout war „Schuss vor den Bug“

Schon jetzt lässt sich aus der Corona-Krise ein Schluss klar und deutlich ziehen: Es darf nach Bewältigung der Pandemie keine Ausreden mehr geben, alle Bereiche des öffentlichen Sektors auf Bundes- und Landesebene – vom Bildungssystem über das Gesundheitssystem bis zur Verwaltung – sowohl organisatorisch wie auch in Bezug auf die Digitalisierung der Prozesse umfassend zu durchleuchten und auf modernste Standards zu bringen.

Neben der Situation rund um die Corona-Pandemie und der von ihr ausgelösten Wirtschaftskrise bestehen noch weitere Herausforderungen, die es dringend zu bewältigen gilt. So muss z.B. der beinahe europaweite Totalausfall des Stromnetzes „als klarer Weckruf und Handlungsauftrag“ verstanden werden. Die Entwicklungen bei der Stromerzeugung in Europa in den nächsten Jahren – vom starken Ausbau volatiler Sonnen- und Windstromkapazitäten bis zur Schließung der bislang für die Grundlast so wichtigen Kohle- und Atomkraftwerke in Deutschland – müssen energiepolitisch in Österreich entsprechende Maßnahmen zur Folge haben. „Physikalische Grundlagen bei der Stromversorgung lassen sich nicht durch ideologische und parteipolitische Sonntagsreden wegdiskutieren“, so Greiner. Der Industriestandort Oberösterreich ist aufgrund seiner Energieintensität und seiner zahlreichen hochtechnologischen Produktionsanlagen besonders anfällig, eine zukunftsfähige und damit sichere Energieversorgung ist Grundbedingung für den weiteren Erfolg des Standortes. Was aber jahrzehntelang als eine Selbstverständlichkeit gegolten hat, wird nun – auch aufgrund des schleppenden Ausbau der Strominfrastruktur – zunehmend infrage gestellt. Schon geringe Spannungsschwankungen können zu massiven Störungen in den Produktionsabläufen führen und damit immense Kosten verursachen. Technologieoffen Backup-Kapazitäten vorzuhalten, um das Stromnetz im Bedarfsfall stabilisieren zu können – etwa während kalter und sonnenarmer Tage, stelle eine entscheidende Voraussetzung dar, damit in Oberösterreich auch in Zukunft industrielle Wertschöpfung stattfinden kann.

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Industrielle Spitzenregion 2030?

Die aktuelle Legislaturperiode der OÖ. Landesregierung geht im Herbst 2021 zu Ende, die nächste läuft bis 2027. Diese Regierungsphase entscheidet daher darüber, wie erfolgreich man im internationalen Standortwettbewerb 2030 agieren wird und damit, wie sich der Wohlstand der Bevölkerung entwickelt.

Oberösterreich könne mit seinen hervorragenden Voraussetzungen besser und schneller aus der Krise herausgehen und bis 2030 in den Kreis der industriellen Spitzenregionen Europas aufsteigen, sagt der IV OÖ-Präsident. „Um hierzu die Grundlagen zu schaffen und Oberösterreich zukunftsfit zu machen, hat die IV OÖ 20 Themenbereiche und Maßnahmen definiert, die für die Legislaturperiode 2021–27 für den Industriestandort Oberösterreich höchste Bedeutung haben.